Folge 06 - Teil 2: Grossbritannien. Queen Victoria und Edward VII. Das zweite Empire entsteht.
Der zweite Teil unseres dicken Brettes: Grossbritanien
Nachdem wir euch in der letzten Folge mit in das georgianische Zeitalter entführt haben, geht es jetzt mit der viktorianischen Ära und dem kurzen, doch wirklich spannenden edwardianischen Zeitalter weiter.
In dieser Folge tauchen wir tief in das viktorianische Zeitalter ein, erkunden die faszinierenden Persönlichkeiten von Queen Victoria, Prinz Albert und ihren Nachfolgern, und beleuchten die politischen und persönlichen Dynamiken, die das britische Königshaus prägten.
Wir analysieren das Leben von Queen Victoria, ihre Beziehungen, ihre Trauer und ihre politischen Strategien. Erfahren Sie, wie ihre Persönlichkeit und Entscheidungen das Zeitalter prägten und welche Lehren wir daraus ziehen können. Und es wirs sogar ein bisschen schlüpfrig pikant .....
Wir werfen den Fokus auf Edward VII. und seine Familie. Wir beleuchten die politischen, gesellschaftlichen und persönlichen Aspekte, die das Leben und die Herrschaft dieser Zeit prägten.
Viel Spaß bei dieser zweiten Folge zu unserer Lieblingsmonarchie.
Eure Catrin und Jörg
Jörg: Willkommen zurück bei Thronfolgen der Royal Podcast. Wer die letzte Folge gehört hat, weiÃ, wir stecken mitten in unserer groÃen GroÃbritannien-Reihe und beim letzten Mal hatten wir George III. Bitte notieren, damit ihr nicht durcheinander kommt. George III., George IV. und William IV. Drei völlig unterschiedliche Männer und Monarchen, die ein Land, das sich unter jedem von ihnen jeweils ziemlich spürbar verändert hat. Und ganz am Ende Da haben wir kurz eine junge Frau von 18 Jahren kennengelernt, die eines Morgens in ihrem Bett im Kensikenpalast aufgeweckt wurde, zu erfahren, du bist jetzt Königin.
Catrin: Ja, und das war Viktoria, die später berühmte Queen. Und genau da setzen wir heute nahtlos an. Mit ihrer Regierungszeit, dem sogenannten viktorianischen Zeitalter. So wurde es zumindest im Nachhinein dann bezeichnet. Aber unser Fokus soll nicht nur auf Politik und Gesellschaft liegen, wie sie sich dieser Zeit darstellten, sondern auch natürlich ganz besonders auf ihre berühmte Ehe mit ihrem sehr geliebten Prinz Albert und dann natürlich leider ihre lange Witwenschaft, folgte, weil er erst mit Anfang 50 schon gestorben ist, und dann natürlich ihre groÃe Familie, ihre Kinder und Enkel, die sich strategisch an Europas Höfe sehr geschickt verheiratete, daher auch ihr zweiter Name GroÃmutter Europas. Und natürlich auch die Ehen der beiden folgenden Monarchen jede für sich ungewöhnlich, werden wir genauer ansehen, nämlich Edward VII., der älteste Sohn von Victoria und Albert, und seine Gattin Alexandra,
Jörg: Ja, und da freuen wir uns wirklich ganz besonders drauf. Alles Monarchen, die wir echt gut finden. Das ist doch schon mal eine gute Voraussetzung.
Catrin: Das hat schon mal was.
Jörg: Also drei Monarchen, drei komplett unterschiedliche Beziehungen, eine Liebesheirat, die zu vielleicht intensivsten Ehe der britischen Königsgeschichte wurde, mit ihren emotionalen und regandschaftspolitischen Komponenten. Das kann man sagen, in beide Richtungen geht's. Eine arrangierte Liebesheirat, die schleichend zur Vernunft Ehe verkam. durch die vielen Affären, die trotzdem 47 Jahre lang nach innen und auÃen hin trug. Also die Ehe trug 47 nicht die Affären, doch die eigentlich auch.
Catrin: Doch, die auch.
Jörg: Genau, aber sie trug eben nach innen und nach auÃen dank Alexandras Langmut, ich sagen, und einem gemeinsamen Sinn für Pflicht und vor allem Humor. Und die beiden hatten Humor.
Catrin: Ja, so war das. Victorian, Albert, Edward und Alexandra, Denn jede dieser Regentschaften war nicht nur vom jeweiligen Monarchen selbst geprägt, sondern auch von der starken Partnerin oder dem Partner, die dazugehörten, die nicht nur dahinter, definitiv auch sehr stark daneben standen. Und bei allen fragen wir natürlich auch immer wieder, wer waren die denn so als Mensch und dann als Paar?
Jörg: Willkommen zu Thronfolgen, Royal Podcast. Und das machen wir heute zusammen. Mein Name ist Jörg Schröder-Dammköhler. An meiner Seite natürlich wieder die liebe Catrin Bartenbach. Und wir freuen uns auf euch. Es werden bestimmt wieder schöne zwei Stunden. Bis gleich. Catrin bevor wir zu Victoria kommen, müssen wir etwas bei den Royal News aufräumen. Da war eine Menge Menge los, kann man sagen. Wir haben beide Augenränder. Wir müssen uns vorbereiten. Du besonders. Du musst ganz viel schreiben. Wurdest interviewt. RTL war bei dir gleich an einem besonderen Tag, an dem Tag, als wir den Verlust von Harald V., einem wirklich tollen König, verzeichnen mussten. Norwegen äuÃerst positiv geprägt hat, ich finde, und den man jetzt eigentlich schon vermissen muss, oder?
Catrin: Ja, ja. Also ich persönlich vermisse ihn auch ein bisschen, obwohl ich ja keine Norwegerin bin, aber viele liebe Freunde habe in Norwegen und ich hatte wirklich das Bedürfnis, den zu kollolieren, ob des Verlustes ihres Königs. Ãber die Jahre ist ja wirklich nach GroÃbritannien-Norwegen eine meiner absoluten Lieblingsmonarchien geworden und ich habe da schon auch wirklich eine enge Verbindung zu aufgebaut, habe auch viele über Harald gelesen und erfahren. Natürlich auch angefangen bei seiner wirklich süÃen, zunächst bittersüÃen Liebesgeschichte mit seiner groÃen liebe Königin Sonja ja, es hat mich schon auch ein wenig mitgenommen. Es war ja klar, erst 1989 war immer wieder auch ziemlich krank und dann war es am Freitag doch so weit. Und wie damals bei der alten Queen, wenn es dann wirklich so weit ist und ein so groÃer langjähriger Monarch, den man sehr gut zu kennen glaubte, dann von uns geht, ist man ja doch sehr betroffen, traurig. Und gerade bei mir jetzt, da ich ja nun mal von Beruf Königshausexpertin bin, stehen aber dann die Telefone nicht mehr still und dann hat man gar keine Zeit erstmal, sich daran zu gewöhnen, an den Gedanken, dann kommen RTL und NTV und dann Stern und Gala und wollen, dass ich was schreibe. Ich habe jetzt diese Woche sogar auch die Titelgeschichte in der Gala geschrieben über die norwegische Monarchie. Wer Lust hat, guck kommenden Donnerstag dann mal an den Zeitungsgiosk. Und ja, wir widmen uns heute jetzt nur ganz kurz in den News, dem Thema Norwegen und Lieber Jörg, wir haben uns dann entschieden, eine Sonderfolge zu machen, aber erst nach dem Staatsbegräbnis, richtig?
Jörg: Genau. wir haben, Zuhörerinnen und Zuhörer, wir mussten ein bisschen priorisieren. Also, UK war uns ganz wichtig. Das wollten wir heute auch damit wir in der Reihenfolge bleiben, tatsächlich machen. Zu Harald, dem wollen wir eigentlich nicht nur so kurz abfrühstücken mit der armen Harald ist tot, sondern da gibt es echt eine Menge zu erzählen und das wollen wir auch gerne tun. Und deswegen haben wir uns gedacht, das machen wir nach dem neunten September. Dort wird das Staatsbegräbnis sein. Ich vermute, es wird live übertragen. Wir werden es hier in Deutschland aussehen können. Catrin
Catrin: ja ich weià da was, ganz neu heute aktuell, bitte schaut doch einfach alle NTV und nichts anderes, weil da werde ich sitzen und live kommentieren. Also aus Loyalität zu uns und unserem Podcast bitte unbedingt dann am neunten die Mittagszeit rum. Die Ãbertragung wird so 12, 12.30 Uhr beginnen, 13 Uhr ist dann der Trauergottesdienst. Also ich werde da im Studio sitzen in Köln bei NTV und als Expertin live kommentieren.
Jörg: Ja, das ist doch fantastisch. Dann können wir doch deine
Catrin: Ja.
Jörg: Eindrücke gleich nachbesprechen in dem Podcast. Also es passt, glaube
Catrin: Genau, das machen wir.
Jörg: ich, für alle wesentlich besser, wenn wir das so machen. Tja, und dann unabhängig davon gibt es an der royalen Front natürlich noch so einiges anderes. Front passt an dieser Stelle auch. Ja, der Duke und die Duchess of Sussex, besser bekannt bei uns zumindest als The Americans, kommen zurück auf die Insel. Und ich muss zugeben, Also mich hat die Nachricht echt aufgeregt, weil ich wenig von Versöhnung sehe, sondern mehr von Strategie, Taktik und endlosem Ego. Aber das ist natürlich nur mein ganz getrübter Blick. Ich finde das unappetitlich, hat mein Chef früher immer gesagt. Ich finde, ist schöner Ausdruck.
Catrin: Ist wirklich ein schöner Ausdruck. würde dir und deinem früheren Chef durchaus recht geben wollen. Wenn es Harry und Meghan geht, mir eine einigermaÃen neutrale Sicht auf die Dinge wirklich auch schwer. Ich bin schon lange auch kein Fan mehr von den beiden. Als zu heirat habe ich mich noch gefreut. Das schien noch alles super zu sein. Aber meine Einschätzung ist inzwischen ... auch eine deutlich andere und es gibt sehr viele Hintergründe und sehr viele Verschwörungstheorien auch, aber auch einiges, was ich inzwischen schon weià über meine Kontakte in GroÃbritannien und ich denke, das gibt eigentlich auch eine Sonderfolge her. Das wollen wir vielleicht auch mal uns vornehmen, nicht nur Harry und Meghan nochmal näher anzusehen und ihnen Aufmerksamkeit zu schenken, die sie eigentlich gar nicht verdient haben, sondern es geht ja auch darum, was das vielleicht für Konsequenzen für die britische Monarchie haben könnte, vor allem dann später auch für William und Catherine. Und das liegt uns beiden ja denke ich sehr am Herzen.
Jörg: Genau, das ist das, was mich dabei beschäftigt. Und ich würde das auch noch nicht mal, also das, was ich meine, nicht Verschwörungstheorien nennen, sondern wirklich eine Einschätzung, wie man es bei jedem anderen beim Nachbarn auch machen würde. Was steckt wo dahinter? Aber hier hat es eben mehr Konsequenzen als beim Nachbarn. Es sei denn, es wird ein Baum abgesägt und ein Garten im Eimer. Aber
Catrin: Dann gibt es auch da Ãrger.
Jörg: das ist schon wirklich eine Nachricht, die Auswirkungen haben wird. Da bin ich mir ziemlich sicher. Gut.
Catrin: Hm, denke ich auch.
Jörg: Okay, also das werden wir abhandeln und jetzt geht es nochmal ein paar ganz kurze News, aber auch schöne News. Prinzessin Eugénie, bleiben wir gleich bei UK, die hat eine Tochter bekommen.
Catrin: Ja, also wenn ich das ganz kurz noch ein wenig korrigieren kann, sie spricht sich selber Eugenie aus.
Jörg: Eugenie
Catrin: Nicht die französische Variante, sondern die englische, auch wenn die nicht so elegant ist. Eugenie. Jaja, ne ne, also die britische Prinzessin
Jörg: Ja, stimmt. Ich war beim Franzosen
Catrin: spricht sich Eugenie aus und ihre Tochter heiÃt Adelaide Elizabeth Annina. Ich fand
Jörg: Mhm.
Catrin: das besonders lustig, dass gerade drüber gesprochen hatten. Queen Adelaide, die Gattin Williams IV., dass jetzt diese kleine, jüngste Prinzessin im britischen Königshaus auch diesen Vornamen hat. gut, Elizabeth ist es klar, nach der verstorbenen Queen. Anina ist eine der Freundinnen der Mutter von Eugenie, so kommt der Name zustande. Und das fand ich nett. Immerhin, ein kleines Kind, kann ja nichts dafür, dass sie die Enkelin von Ex Prinz Andrew ist. Der hat die Kleine übrigens auch noch nicht gesehen oder so, der wird da ferngehalten. Und eine andere gute Nachricht, über die ich mich auch gefreut habe, im Sinne Frauenrechte. Der Erbprinz von Lichtenstein, Alois, hat am Nationalfeiertag jetzt im August verkündet, dass auch das Fürstentum vom Lichtenstein jetzt endlich mal die Thronvorgeregelung angepasst hat. Endlich gilt die absolute Primogenitur und nicht mehr die männliche Primogenitur.
Jörg: Genau, dazu wirst du uns gleich mal kurz was erzählen. Da gibt's ja auch ein schönes Gegenbeispiel. Japan, hat das so nicht geklappt. Du erklärst uns mal den Begriff Primogenitur. Genau, das wird bestimmt einige interessieren. Kurz haben wir bei Andrew nachgehakt. Du sagst, er wird ferngehalten.
Catrin: Zumindest hat sich die Tochter noch nicht bemüht, also erstens hat sie ihm nicht mal persönlich von der Geburt erzählt. Das lief dann über Fergie
Jörg: Aha.
Catrin: indirekt, hörte man. sie hat ihn lange nicht gesehen und hat sich jetzt auch nicht das Kind geschnappt und ist mal bei ihm vorbeigefahren. Oder er hat ja tatsächlich auch GroÃbritannien-Undercover auch mal verlassen mittlerweile. Er hat Urlaub in Frankreich gemacht zwischendurch, weil die Behörden, zu meiner Ãberraschung, ihm den Pass nicht abgenommen haben. Er hat ja seine Tochter in Portugal, wo sie mit ihrer Familie
Jörg: Das ist es.
Catrin: meistens lebt. besuchen können, aber das war vielleicht nicht gewünscht. Also er hat seine Enkelin noch nicht gesehen.
Jörg: Wusste ich auch nicht. Wunderbar. Okay, jetzt erklärst du uns mal bitte Primogenitur.
Catrin: Ja, das ist ein Thema, was über viele Jahrhunderte eigentlich alle Monarchien beschäftigt hat, denn über viele, viele Jahre war es fast durchweg üblich, nur der erstgeborene Sohn, also die männliche Primogenitur herrschte, dann erben konnte. Und das ist ja auch mit ein Grund, warum so Typen wie Heinrich VIII. Ende Frauen verschlissen haben, immer verzweifelt bemüht, einen männlichen Erben zu finden, zu kriegen. Und die absolute Primogenitur ist halt das Gegenstück. Wer zuerst geboren wird, zuerst oder wird zuerst der nächste König oder Königin oder Regent und zwar unabhängig davon, ob Junge oder Mädchen. Und das ist inzwischen in fast allen Monarchien in Europa sowieso. Kleine Ausnahme Spanien. Da sind sie aber schon dabei, das zu ändern. War halt nur nicht nötig, weil da gibt es zwei Mädchen.
Jörg: Mhm.
Catrin: Nur in Anführungsstrichen in der Tonfolge. Und eben Liechtenstein war jetzt noch. Die haben jetzt aufgeholt. Der nächste Erbe ist zwar noch, also der älteste von des jetzigen Erdprinzen ist ein junger Mann, junger Prinz, aber wenn die jetzt irgendwann alle Kinder kriegen oder wenn er jetzt Kinder kriegt und das älteste Kind ist ein Mädchen, dann wäre das die erste regierende Fürstin von Lichtenstein eines Tages. Und das finde ich schön.
Jörg: Es ist alles so nacheinander ruckelt, siehste. Wie gesagt, in Japan, nicht? Da hat's⦠hat's⦠Jaja.
Catrin: Ja, da immer noch nicht, nee. Aber es wird immer wieder diskutiert, weil das ja auch so traurig war. Der aktuelle Kaiser hat eben auch nur eine Tochter. Und über diesen Stress, noch einen Sohn zu gebären, die Ehefrau irgendwie schwermütig geworden. Das ist alles eine ganz traurige Geschichte.
Jörg: Ja, also da wäre wirklich mal ein kleines Update ins 21. Jahrhundert nicht so schlecht.
Catrin: Ja, wär nicht schlecht.
Jörg: Das wollen wir mal hoffen. Okay, so, das haben wir geschafft. Häkchen ran an die News. Jetzt wird das Krönchen gerichtet. Ein Schlückchen Tee oder was auch immer. Und dann auf in den groÃen zweiten Teil unserer United Kingdom Folge. Die Zeit, die unser Verständnis von GroÃbritannien mehr geprägt hat als jedes andere, das ist das 19. Jahrhundert. Deswegen heute und jetzt Vorhang auf für Victoria und Albert Teil 1 Queen Victoria, die Ehe als Herzensangelegenheit.
Catrin: mein lieber Jörg, in der letzten Folge hast du es ja schon kurz angeteasert. Victoria hat ihrem Albert selbst den Antrag gemacht, weil sie war ja höherrangig als er, er nur ein Prinz, sie damals schon Königin, als es dann soweit war. Aber fangen wir von vorne an. War das am Ende wirklich nur Liebe oder am Ende doch eine sehr geschickt eingefädelte Familienpolitik?
Jörg: Also ich finde ehrlich gesagt beides und das ist ja das Schöne daran. Diese Verbindung wurde von Anfang an dynastisch eingefädelt von Viktoria's Onkel Leopold, König der Belgier, Bruder Viktoria's Mutter, von Viktoria's Mutter und gleichzeitig auch Albert's eigenem Onkel, der aus dem Hause Sachsen-Coburg-Saalfeld stammte. Also dieses Geschlecht im Ãbrigen, das begegnet uns immer wieder. Die haben sich sehr gut verheiratet. Und hier noch mal ein kleiner Anker für all die, die uns immer sagen, Gott, diese ganzen Namen. Also, Leopold I., das ist der Schicke, von dem wir letztes Mal gesprochen haben, der galante Herr. Und der ist nicht zu verwechseln mit Leopold II., das ist der nicht so Schicke, der fragwürdige Kongo, sag ich nur. Genau, die sollten man auf jeden Fall auseinanderhalten. Und ich finde, so kleine Anker, die helfen bei solchen Namen. Also versucht mal irgendwas. Ram zu heften, was euch an den Namen erinnert. Also die beiden Cousins und Cousine ersten Grades lernten sich schon 1836 kennen. Da war Victoria 17 und noch nicht übermäÃig beeindruckt von ihrem deutschen Verwandten. Den fand sie nämlich eher langweilig und Victoria hielt übrigens ihre Neigen zu starken Adjektiven bei. Sie fand ihn wirklich sehr langweilig. Wenn sie das geschrieben hat, dann meint sie das auch wirklich so. Sie hat auch gerne in ihren Tagebüchern diese Adjektive noch mal drei-, viermal unterstrichen, dem Ausdruck zu verleihen. Warum auch immer. Aber als Albert 1839 wieder mal nach England zu Besuch kommt, auf Leopolds Veranlassung, der war nämlich echt clever, was Heiratspolitik betraf. Und wir erinnern uns vielleicht auch an der Stelle, machen einen kleinen Sprung zur letzten Folge. Er wäre ja tatsächlich zumindest in das englische Königshaus eingeheiratet, hätte das alles mit Charlotte geklappt. Aber das hat natürlich nicht geklappt, weil sie verstorben ist. Und jetzt hat er ein zweites Eisen imFeuer, Victoria. Und Victoria, die ist jetzt bei diesem zweiten Treffen mit dem lieben Albert hin und weg. Und sie schreibt in ihr Tagebuch, das Albert sei so schön, dass ihr fast schwindelig wurde. Sie war ganz entzückt.
Catrin: Also kann man sagen, das Urteil änderte sich von sehr langweilig auf sehr schön. Das hat doch mal was. Jaja.
Jörg: kann man sagen. Und das war auch mehr als diplomatische Höflichkeit. Viktoria war ja regierende Königin zu dem Zeitpunkt und Albert konnte ihr jetzt nicht einfach einen Antrag machen. Das war ein kleines Problem. Das wäre gegen das Protokoll, hätte gegen das Protokoll verstossen und so musste dann Viktoria etwas tun, was sie zuerst ganz komisch fand. Aber sie hat ihn für fünf Tage nach seiner Ankunft zu sich gerufen und dann hat sie sich ein Herz gefasst und ihm Antrag gemacht. Und sie schreibt danach in ihr Tagebuch, sie sei die glücklichste Frau der Welt. Also ihr seht schon, es geht somit glücklich und happy und hüpfendes Herz. Das geht weiter so. Genau.
Catrin: kann man sich richtig gut vorstellen. Also sieht aus, als wäre sie zu dem Zeitpunkt dann schon richtig doll in ihn verliebt gewesen und hat sich dann wohl auch auf die Hochzeitsnacht richtig gefreut, nehme ich an. Denn da gibt es tatsächlich sogar einen relativ sprechenden Tagebucheintrag.
Jörg: Ja, genau. Victor beschreibt das die Nacht nach der Hochzeit im Februar 1840 als nie erlebtes Glück und schwärmt regerecht von Albert's nacktem Körper. Genau, also Leute, jetzt wird's schlüpfrig. Für eine junge Königin des 19. Jahrhunderts ist das ziemlich freimütig und das zeigt diese Ehe war für Victoria alles andere als eine Pflichterfüllung. Und ich will euch jetzt mal ein Tagebuchzitat in meinem schlechten Englisch vorlesen, aber es zeigt vielleicht ... wie hin und weg sie war. I never, never spent such an evening. My dearest, dearest dear Albert. His excesses love and affection gave me feelings of heavenly love and happiness I never could have hoped to have felt before. He clasped me in his arms. We kissed each other again and again. His beauty, his sweetness, gentleness. Really how can I ever be thankful enough to have such... Und Kurzübersetzung auf Deutsch. Sie fand ihn rattenscharf. Also sie war wirklich hin
Catrin: Sieht so aus.
Jörg: und weg. Genau. Und wenn wir schon mal der Schlüpfrigkeit sind, hier noch mal eine kleine Darstellung. Ich werde tatsächlich immer wieder... von Herren angesprochen. Die sagen ja mit Albert, die haben ja gar nichts am Hut mit Royals, aber die hören dann immer wieder, dass ja dieser Prinz Albert Ring Kennst du den?
Catrin: Nee, und ich habe auch nicht vermutet, dass in unserem Podcast jemals irgendwie dieses Thema zur Sprache käme. Ich glaube, ich muss mir jetzt mal ganz kurz die Ohren zu Nöten halten.
Jörg: Ja, aber das ist tatsächlich so, dass ich finde das deswegen so interessant. Es wird leicht schlüpfrig, aber ich bin auch gleich fertig damit. Ich fand das ganz lustig,
Catrin: Hoffentlich.
Jörg: weil man zum Beispiel Katharina die GroÃe, der hat man natürlich auch so bestimmte sexuelle Praktiken gerne mal angedichtet, aber da war es aus einem ganz anderen Grund. Und bei Albert finde ich das so lustig, weil der war ein Typ. Es gibt sogar auf Instagram ganz tolle Seiten, tolle viktorianische Männer und so weiter und so fort. Und da war da ein kleiner Star. Aber für all die, die das gut finden, wir sind jetzt auch schon fertig mit der Schlüpfrigkeit, meine Liebe. Also es ist ein Piercing, das in einem Bereich des Körpers mittig stattfindet. Und ich sag nur,
Catrin: Unter der Gürtellinie.
Jörg: Aua! Und danach soll dieser Ring benannt worden sein. Also für all die Jungs, die mich gefragt haben, hier jetzt ganz offiziell, das ist Quatsch. Das haben ganz clevere Leute in den 70er Jahren, haben die das in der Piecing-Szene, die haben das erfunden. Es gibt nämlich so eine schöne Uhrenkette. Die hat tatsächlich eine Kette und die kommt ins Knopfloch und da ist die Uhr dran. Und die hieà tatsächlich Prinz Albert Chaine Und da wurde dann diese Schlüpfrige draus gemacht. Also alles Fake News, Fake News aller Orten, hat nichts mit Albert zu tun. Schöne Anekdote, bringt aber nichts. Zeigt aber, die beiden waren schon, deswegen habe ich sie auch mit reingenommen, also Victoria, die war dem Sex nicht abgenägt. In Biografien ist das ein ganzes Kapitel so ungefähr. Sie fand das schon toll. Die konnte nicht genug von Albert kriegen.
Catrin: Ja, das stimmt tatsächlich. trau mir nicht zu. Aber von wegen viktorianisches Zeitalter und Brüde und so. Also wenn überhaupt wer von beiden Brüde war, dann war das noch eher Albert und nicht Victoria. Die empfand ihre
Jörg: Genau.
Catrin: ehrlichen Pflichten nicht als Pflichten, sondern war wirklich richtig involviert und fand das schön. Nur sie mochte nicht so gern, dass da dann oft Kinder dabei rauskamen, weil Schwanger mag sie nicht so gern.
Jörg: Ja, da kommen wir genau dazu. Ich fand es deswegen auch interessant, deswegen habe ich es mit reingenommen. Man könnte ja vermuten, dass diese ganzen Schwangerschaften, so bisschen, so ungefähr der böse, böse Mann, der schwängert ständig seine Frau. Hm, könnte man denken. Und so wollte er dann als Prinzregent, hätte ich fast gesagt, wollte er sich die Reihen reindrücken. Das war aber nicht so. Also es war schon von beiden Seiten, sie konnte wirklich nicht genug kriegen. war der arme Albert, hatte der auch schon die Nase voll und musste immer ran. Das ist aber nirgends belegt, keine Ahnung. Aber ich glaube nicht, dass Albert das ausgenutzt hätte. Und das habe ich auch schon mal in einer Biografie, das könntest du auch so lesen, da halte ich gar nichts von. Also ich habe nicht das Gefühl, die fand das zwar schön und war gerne mit ihm zusammen, aber das hatte jetzt nicht den Grund. dass sie sozusagen vom Regieren abgehalten werden soll. Aber da kommen wir nochmal drauf. Schlüpfrige Ecke, nur kurzer Teaser, hiermit beendet. Aber das Leben, das Zusammenleben, war natürlich, du hast gerade schon gesagt, sie war privat gar nicht Prüde und viktorianisch, aber das Zusammenleben, war trotzdem manchmal nicht so ganz Und Victoria, und das sehen wir später noch deutlicher, war eine vielschichtige Person. Manche Ansichten und Handlungen, die widersprachen sich auch komplett, daran sieht man aber auch, dass sie nicht ideologisch geprägt war. Und das finde ich auch sehr schön. Die konnte schon durchaus, konnte man sie überzeugen. Das war nur eine Frage, wie man es gemacht hat. Sie war sehr gefühlsbetont. Und sie war auf dem Moment fixiert. war schon nachtragend, aber die konnte den Moment auch wirklich genieÃen. Und da finde ich, da wird es menschlich dann auch interessant. Und man muss auch sehen, dass sie trennen konnte zwischen Privat und Rolle, auch wenn das manchmal ins Wanken kam. Da erzählen wir später auch dazu. Also sie hatte schon ihre Rolle und das Private, das haben die beiden sehr, sehr schön getrennt. Und zurück zu Albert. Also Albert, da müsst ihr wissen, Albert kam als mittelloser deutscher Prinz nach England und hat zunächst offiziell fast gar keine Rolle gehabt. Er bekommt anfangs nicht mal einen Adelstitel oder einen politischen Rang zugesprochen. Und das Parlament, das ist da wirklich sehr zurückhaltend, regelrecht deutschfeindlich. Das ist auch etwas, was uns öfter begegnet. Man verspottet ihn in der Presse als armen Verwandten, der jetzt vom Geld seiner Frau lebt. Und das finde ich auch schön. Das wäre übrigens etwas, das würde man bei einer Frau, die aus armen Adel kommt, nie so ausschmücken. Aber er als Mann, wird es dann gleich wieder... Also da sieht man auch da, das ist bis heute so. Also hat sich eigentlich nichts
Catrin: Ist es tatsächlich?
Jörg: geändert. Und auch Prinz Philipp eite dieses Schicksal ja später noch. Der hatte ja auch keine Kohle auf der Naht und hüpfte von einem Anwesen zum nächsten. Das musste der sich auch öfter an. Also Victoria besteht in den ersten Ehejahren sehr eifersüchtig darauf, dass sie und nur sie die Regentin ist und bleibt. Anfangs lässt sie den lieben Albert tatsächlich noch nicht mal die Staatspapiere mitlesen.
Catrin: Ja, das war schon eine Menge Machtkampf dafür, dass sie sich eigentlich ja sehr sehr lieb gehabt haben. Aber ich schätze, dass es bei ihr ein bisschen aus ihrer Jugendprägung kam, weil sie ja immer Angst haben musste, dass damals ihre Mutter und der Adlatus ihrer Mutter, die wollten immer versuchen, ihr Macht wegzunehmen, noch bevor sie überhaupt Königin war. Ich glaube, deswegen hat sie erst mal die Macht für sich alleine behalten wollen, bis sie sich richtig eingegroovt hatte. das ist aber meine persönliche Interpretation.
Jörg: Nee, das würde ich auch sagen. Das wäre auch gleich gefolgt. Das glaube ich nämlich auch. Und ich finde, auch da kann man wieder der Frau so sagen. Die ist eifersüchtig, die will das nicht. Das wird man beim Mann zum Beispiel niemand sagen. Dass der eifersüchtig darauf hat, dann würde er einfach selbstverständlich sagen, hallo, ich bin hier der König und du hast eine andere Rolle. Da merkt man schon so diese Doppelmoral. Das hat sich, finde ich, heute auch nicht sehr viel geändert. es immer wieder. Genau. Es gibt auch so ganz legendäre Streitszenen. Und eine davon ist, hat sich in sein Zimmer eingeschlossen. Victoria klopft wütend an der Tür und ruft, öffnen Sie! Und er fragt, wer ist da? Und sie antwortet, die Königin von England. Und die Tür, die bleibt trotzdem zu. Und das geht mehrfach so. Und erst als dann nach der Frage, wer ist da, die Antwort lautet, deine Frau, Albert. Da öffnete er. Also, hatte sie den Griff gekriegt. Ganz klar.
Catrin: Ja, das war dann aber echt der ErziehungsmaÃnahme. Szenen einer realen Ehe, herrlich. Auch da finden dann solche kleinen Rangeleien auch mal statt, muss sein.
Jörg: Absolut, finde ich auch. Also, Thema, wer regierte, die Königin oder die Ehefrau, bleibt bei beiden über die Jahre hinweg da. Aber es verschiebt sich ziemlich stark. Mir ist ganz wichtig zu betonen, das hattest du gerade noch mal erzählt, das, was du beschrieben hast, mit Conroy, mit der Mutter, das nennt man so das Kensington-System. Da wurde sie sehr herumkommandiert. Sie musste auch mit ihrer Mutter in einem Zimmer, bis sie 18 war, schlafen. Der Conroy hat unglaublich viel Einfluss gehabt. Und da hat sie natürlich schon eine Prägung, dass sie auf starke Männer reagiert. Die wissen, was sie nachher auch bei den Premierministern noch zeigen. Aber auch eine Bockigkeit. Die hat sich auch nicht alles
Catrin: Hahahaha
Jörg: gefallen lassen. Die hat sich schon ausgesucht, welchem Mann sie folgt und welchem nicht. Genau. Albert übernimmt aber nachher zunehmend echte Verantwortung. Und das dann eben, wie schon erwähnt, immer dann, wenn sie im Kindbett liegt und nicht arbeiten kann. Er hat sich aber auch tatsächlich neben ihr Bett gesetzt und sie sind gemeinsam, sind sie die ganzen Sachen durchgegangen, hatten nachher auch zwei Schreibtische nebeneinander und so. Ist ganz, schön zu sehen. Ich glaube, das sieht man in Osborne House aus. Da. Erinnere ich das ist das in Osborne House, wo man die beiden Schreibtische nebeneinander oder gegenüberliegend sieht. Das ist da, ne?
Catrin: Gegenüber, da ist es ganz, ganz gleich, also gleich groÃe Schreibtische und so ganz koregentenmäÃig, wo sie dann wirklich, das war ja auch ihre Lieblingsresidenz, als sie
Jörg: Genau.
Catrin: in der glücklichsten Zeit ihrer Ehe waren und da erlernt man dann bei den Führungen auch, dass sie da wirklich gemeinsam die Staatsgeschäfte durchgegangen sind und besprochen haben und so. Das ist schön. Also ich kann jedem nur empfehlen, Osborne House ist ganz, ganz reizend auf der, wie heiÃt das noch, Isle of Wight. Genau.
Jörg: Die Insel, die Isle of Wight. Kommt relativ schnell hin, wenn man mit dem Zug fährt und dann
Catrin: Genau, I Love White, I'm So Lent und da kann man auch wunderbar sehen. Ja, ist wunderbar.
Jörg: fährt es. Das toller Ausflug. Das sind alles so schöne Ausflüge von London. Wenn man früh aufsteht,
Catrin: Ja.
Jörg: kann man da wunderbare Tage verbringen. Genau. Jetzt sind wir stehen geblieben. Also er bekommt immer mehr Verantwortung und dann etwas, was wir von Prinz Philipp auch kennen. Der Haushalt, das ist dann seine Sache. Was soll er
Catrin: Hm.
Jörg: denn auch anders machen? Er organisiert den Workflow im Buckingham Palast oder in allen Palästen und er reformiert die chaotischen Palastfinanzen. Er kümmert sich die Erziehung der Kinder und der Viktoria als engster politischer Berater. Das kann man wirklich sagen. Und war nachher auch beliebt bei allen Politikern, die wirklich seinen Rat gesucht haben. Das war zum Anfang nicht so. Da wurde er wirklich gedisst. Und am Ende liest praktisch er jedes Staatsdokument. Das wird erst Albert vorgelegt. Und dann geht es zu Viktoria. Das hat sie so ein bisschen verschoben. Sie selbst hat ja auch immer gesagt, dass er eigentlich der bessere König wäre. Politik und so hatte sie eigentlich nicht so viel Lust. Und so wird er dann zum heimlichen Co-Regenten Das klappte ganz gut in seinem Sinne.
Catrin: Ja, es war ja auch so bisschen der Punkt, was du eben schon sagtest, Victoria war einfach hier auch sehr gefühlsbetont und manchmal auch in politischen Dingen zu gefühlsbetont. Und da war dann der sehr vernünftige und gut strukturierte Albert war einfach auch da eine wirklich gute Ergänzung und manchmal auch bisschen ein Korrektiv, finde ich. So mein Eindruck, den ich über die Jahre gewonnen habe, wenn ich über sie gelesen habe. Also wenn man ihn jetzt nur den Buckingham Palace hätte umorganisieren lassen und den Workflow verschlanken, da hätte man ihn unterfordert.
Jörg: Absolut, war ein ganz, also, ja, was würde man heute sagen, ein, manchmal denke ich so fast so ein Universal Genie Da hat er also, ja, da
Catrin: So bisschen.
Jörg: hatte schon echt, echt was drauf, muss man sagen. letztes Mal, Kathrin, hatten wir über den Buckingham Palace gesprochen, wer gebaut, mit Renovierung und so. Das war ein Thema. Und da hatten wir schon angeteasert, also, der Buckingham Palace wurde das erste Mal tatsächlich von Victoria und Albert belebt und in dem wurde gelebt. Und das ist schon bisschen schräg, weil im Buckingham Palace fehlten Türen, Waschbecken, Teppiche, Kamine rauchten. Die Räume waren eiskalt. Es zog an jeder Ecke. Aber das machte überhaupt nichts aus, weil Victoria hatte ein Gefühl, dass wir vielleicht alle kennen, wenn wir von zu Hause weg wollen. Schiet egol Gohl. Hauptsache, ich hab meine eigene Bude. Sie hatte da ihre eigene Bude. Sie ist ja sehr schnell in Buckingham Palace eingezogen, weg von Kensington. Danach hat sie nie wieder Kensington geschlafen. Das Haus hat sie absolut gemieden.
Catrin: Nee, da wollte ich nie wieder zurück.
Jörg: Dieser Hausausbau, war natürlich von einigen Problemen behaftet. Man könnte eigentlich sagen, ist Buckingham Palace. Das war so eine kleine Behördenkomödie, so würde ich das mal bezeichnen, oder?
Catrin: Ja, könnte man so sagen, weil die Strukturen und auch die Abläufe unter den Dienstboten schon ein bisschen albern waren. Die Fenster wurden auÃen, für die Reinigung der Fenster innen war jemand anders zuständig als die Reinigung der Fenster auÃen. Zwei verschiedene Verwaltungsabteilungen und auch was Lampen betraf. Die eine Abteilung, das eine Departement stellte sie bereit, die anderen sollten sie reinigen und wieder jemand anders sollte sie dann anzünden. das und auch das ganze Hauspersonal, auch unterschiedliche Abteilungen, unterschiedliche vorgesetzte Hausbädchen, Köche. Portiers oder Lakaien. Die berichtet nicht einfach alle an den Butler, wie man das aus Downton Abbey kennt, war ja auch viel gröÃerer Haushalt, sondern es war ursprünglich sehr unüberschaubar. Also wenn man da ein Organigramm hätte daraus machen wollen, das wäre wahrscheinlich gar nicht möglich gewesen.
Jörg: Ja, das denke ich auch. Stockmar, war ein enger, ja Freund würde ich jetzt nicht sagen, ganz enger Berater in Sachsen-Coburg.
Catrin: Hm?
Jörg: Und der hat auch Albert immer beratend zur Seite gestanden bei ganz, ganz vielen Dingen. Auch das würde schon eigentlich eine ganze Folge füllen. Und Stockmar hat das mal sehr schön beschrieben. war im Buckingham Palace und da war es dann auch wirklich schweinekalt. Und er hat gesagt, das kann doch nicht angehen. Warum ist es hier so kalt? Und hat ... dem Diener einen Vorwurf gemacht. Und der hat vollkommen empört. Wir kennen das aus so Cafés und so. Nein, wir haben hier keinen Fehler gemacht. hat alles seine Richtigkeit. Es wurde das Holz aufgeschichtet. Aber er könne nichts dafür, weil derjenige, es anmacht, der hat es halt nicht gemacht. Aber das wäre nicht seine Aufgabe gewesen. Also es war ganz, ganz klar getrennt, wer wie wo was zu machen hat. Und das ist natürlich echt schräg ein bisschen. Genau. Da gibt es zum Beispiel für die Innenseite war der Lord Chamberlain zuständig. Für die AuÃenseite war das Office of Woods und Forests zuständig.
Catrin: Ich
Jörg: Letztendlich war das eine Sache der Zuständigkeiten, wie viel Licht in den Palast reinkam.
Catrin: Wer wann was putzt, genau.
Jörg: Das hat aber einen Grund, weil keine der ranghohen Verantwortlichen, du hast eben vom Butler gesprochen, es geht noch höher. war dauerhaft im Palast anwesend. Es gab faktisch keinen Herrn im Haus. Bedienste kamen und gingen, wie es ihnen gefiel. Die Tätigkeiten waren einfach schlecht verteilt. Manche Mitarbeiter waren dann überflüssig und andere haben einfach die Arbeit liegen gelassen. Ist halt so. Es waren 40 Hausmädchen, Beispiel in Windosr und Buckingham Palace. Obwohl jeder Haushalt nur ein Teil des Jahres vorständig genutzt wurde. Trotzdem waren die da. Und es gab eine Armee von Lakaien. Kaum kontrollierte Ein- und Ausgänge, keine Befehlswege und so weiter und so fort. Und da gibt es eine ganz tolle Geschichte, die zeigt, wie grotesk das Ganze ist. Es gab auch keine Sicherheit und da gab es die Geschichte den Boy Jones. Das war ein Junge, der mehrfach in den Buckingham Palace eingedrungen war. Und 1840, nachts, wurde der dann unter einem Sofa in der Nähe von Victoria Schlafzimmer entdeckt. Das sind dann so ein bisschen an den Fassadenkletterer bei Elisabeth. Also, ja, auch nicht viel geändert.
Catrin: Nee, Michael Felgin, saà dann sogar bei ihr direkt auf dem Bett und nicht nur unter dem Sofa in der Nähe. Aber damals war es wohl wirklich einfach schlecht organisiert. Und wie du eben sagtest, der Butler war nie ganz da. Der Hof zog ja im Laufe des Jahres auch immer zu verschiedenen Residenzen und einen Teil
Jörg: Hmm.
Catrin: der Bediensteten nahm sie dann mit und ein Teil blieb zurück. Und auch das war nicht wirklich gut organisiert. Also da brauchte man dann wirklich mal jemanden, der die Ordnung reinbringt. Und das ist vielleicht die richtige Stelle, jetzt auf Albert noch mal zurückzukommen. Er wird in allen Berichten, allen Biografien als sehr ernst und diszipliniert beschrieben. Eigentlich das komplette Gegenteil von zum Beispiel George IV., über den wir das letzte Mal gesprochen hatten. Und insofern war ja auch wirklich der richtige Mann dafür, ideale Voraussetzungen, diesen königlichen Haushalt mal ordentlich auf Vordermann zu bringen.
Jörg: Ja, und das hat er auch tatsächlich ernst genommen und gemacht. Das musste er auch an einigen Stellen machen. Da gibt es die ganz wunderbare Geschichte der Kerzen im Palast. Es war früher so das Kerzenreste, ne? Also wenn so abgebrannte Wachskerzen. Jetzt natürlich die Frage, wann ist eine Kerze abgebrannt oder nur angebrannt? Genau. Das war so ein Nebenrecht bestimmter Bediensteter und die haben dann einfach die Kerzen eingesammelt. Die wurden dann kaum benutzt. Manchmal hat man sie auch nur ganz kurz mal angesteckt und dann nach was dann geschehen war benutzt. Und die Dinger, wurden dann tatsächlich verkauft. Und der Palast, hat immer neue Kerzen bezahlt. Die Bediensteten entfernten die ganzen Sachen dann, die schönen Kerzen, mit viel Mühe. Da war klar, wer was zu tun hat. Und die wurden dann zum privaten Eigentümer und dann hat man die ganzen Sachen verscherbelt. Prinz Albert, der hat gesagt, das machen wir nicht, da habe ich keine Lust drauf, da werden wir jetzt mal ein bisschen sparen. Und was wurde ihm dann natürlich für ein wunderbarer Spitzname angehaftet ohne Eigenschaft? Das ist Prinz Albert, der Mann, der sogar Kerzenstummel zählen lieà Also natürlich, da wurde das unrecht nicht gesehen, natürlich war er derjenige, der doof war, weil er das angeprangert hat und abgestellt hat.
Catrin: Vielleicht liegt es auch bisschen daran, dass mancher dann auch bisschen sauer war, dass ihm da die Pftünde weggenommen wurden.
Jörg: Ja absolut.
Catrin: Denn ich kann dazu noch eine kleine Anekdote beisteuern aus meinem schönen Buch, dem Royalen Reiseführer, auf den ich immer wieder gerne verweise.
Jörg: Stimmt, da hattest du das mal erwähnt, ja.
Catrin: Ja, denn die Geschichte geht sehr weit zurück auf Anfang des 18. Jahrhunderts unter Queen Anne tatsächlich. Und sie war nun so, dass sie auch gesagt hat, das war ihr wichtig, das war auch das Zeichen für einen gut geführten und reichen Haushalt. Wenn die Kerzen einmal angesteckt worden sind, dann müssen sie am Ende des Tages abends nachts entfernt werden. Ich will am nächsten Morgen hier reinkommen und will frische Kerzen in meinen Kerzenleuchtern sehen hier in meinem Palast. Das heiÃt, die mussten sogar entfernt werden. Und damals gab es einen Diener bei Queen Anne und der hieà Mr. Fortnam und der war derjenige, der sich die Kerzen dann genommen hat und nehmen durfte und hat sie eingesagt und privat weiterverkauft und merkte, dass man damit ganz gut Geld verdienen kann. Er wohnte wiederum bei einem Mr. Mason zu Untermiete und dann haben die beiden sich zusammengetan, Fortnum und Mason, und haben erst einen Handel für alles Mögliche an Haushaltswaren gegründet. Später wurde daraus das berühmte Delikatesse-Kaufhaus, das wir heute noch kennen, was am Piccadilly ist, die diese herrlichen Tees haben und alles Mögliche. Weltberühmt, da geht selbst Queen Camilla shoppen und die haben ihr Imperium begründet auf dem Verkauf von royalen Kerzenstummel.
Jörg: Ja, und gut in Marketing und Verkaufen sind die heute noch.
Catrin: Ja, das sind sie.
Jörg: Das hat sich gehalten. Aber ein Besuch ist immer wieder groÃartig. Ich war diesmal in London ein bisschen enttäuscht, muss ich sagen, weil das verkauft sich wahrscheinlich nicht so gut. Wir hatten ja eine riesige, wirklich ein riesengroà mit kandierten Früchten.
Catrin: Hm.
Jörg: Und das ist die Hälfte geschrumpft. Ja, da war ich ein bisschen traurig.
Catrin: je. Jetzt nach der Renovierung mit der Windeltreppe da, je.
Jörg: Aber wahrscheinlich kandierte Früchte ist wahrscheinlich auch sehr viktorianisch. Es wird nicht mehr so viel gekauft, vermute ich. Ich habe dann leider auch nichts gefunden. Genau, also trotzdem ein Besuch bei Fortnum & Mason lohnt sich ja immer.
Catrin: Ja, immer. Aber wir kommen wieder zurück zu unserem Hauptprotagonisten im Moment jedenfalls, nämlich Prinz Albert. Dass er eben anfing, Kerzenschlumme zu zählen und da dann auch ein Einsparpotential sah und das auch durchgesetzt hat gegen diverse Widerstände, sieht man ja, dass er auch einfach wirklich sehr beharrlich war. Er hatte gute Ideen und setzte die dann und lieà auch nicht nach, bis er sie umsetzen konnte. Da ist ja auch ein sehr gutes Beispiel die Ausrichtung der Weltausstellung von 1851. Das war sein Herzensprojekt und viele haben da erst nicht dran geglaubt, aber damit hat er wirklich groÃen Erfolg gehabt. Da gab es diesen dollen Crystal Palace auch, den gibt es leider heute nicht
Jörg: und all.
Catrin: mehr. Aber der war damals, da sind Leute aus ganz Europa gekommen, haben sich das gestaunt angesehen und das war wirklich Alberts erstes richtig groÃes, umfassendes Projekt, das er wirklich gegen viele Widerstände durchgesetzt hat.
Jörg: Ja, und da hat ihn Viktoria wirklich groÃartig unterstützt.
Catrin: Mhm.
Jörg: das hat sie nicht gebremst und da hat sie auch gemerkt, der Mann ist zu mehr fähig als Kerzenstummel zählen. Da machen wir jetzt mal diese Weltausstellung draus. Im Ãbrigen, wenn du dich irgendwo hin wünschen dürftest, in irgendeinem Jahr. Wo würdest du dich hin wünschen?
Catrin: Ach, das ist schwierig. Ich meine, diese Weltausstellung der Crystal Palace schon. Aber ganz ehrlich, wenn ich es mir aussuchen dürfte, ich lieber gerne einmal an den Hof von Königin Elisabeth I. Das hat mich schon immer fasziniert. Das
Jörg: Ehrlich? Ach guck. Ja.
Catrin: muss eine so tolle, faszinierende Frau gewesen sein. Da würde ich wirklich gern mal, selbst wenn es da keine ordentliche Badezimmer
Jörg: Ja, du war auch unlieber.
Catrin: gab, würde ich gern mal ein bisschen Zeit verbringen und mich umgucken.
Jörg: Also ich würde tatsächlich 1851, kommt mir immer wieder vor, immer wenn man wieder dran denkt, also diese Weltausstellung, war ähnlich wie die in Paris, die war schon richtig toll, richtig cool und ich hätte so gerne diesen Crystal Palace gesehen.
Catrin: Ja, ja.
Jörg: Der muss wirklich wunderschön gewesen sein und diese Weltausstellung insgesamt auch, also ein groÃartiges Projekt. Und da würde ich mich hin wünschen, aber Wünsche bleiben Wünsche. Bei der Weltausstellung, da war nicht nur die Organisation herausfordernd. Da hielt, also ihm hielt eigentlich dem Alber sein Interesse für Wissenschaft, für Landwirtschaft, für Kunst und für Industrie. Das war Herausforderung, das hat er aber ganz toll gemacht. Und er war ja auch ein Workaholic. Bloà leider, und das ist das Herausforderende, seine Gesundheit. Die war leider Gottes nicht so robust, wie sie hätte eigentlich sein müssen. Der stand morgens sieben auf und hat bis spät in die Nacht gearbeitet. es gibt noch einen riesigen Unterschied zwischen Albert und Victoria. Also das, was Victoria an Fleià fehlte, das holte Albert auf. Und das, was Albert leider Gottes an Humor fehlte, das holte Victoria auf. Das heiÃt, der war so verkrampft, der konnte sich überhaupt nicht entspannen. Das ging nicht. Also eigentlich ein ganz moderner Mensch.
Catrin: Hm.
Jörg: Es war nicht möglich, einfach mal fünfe gerade sein zu lassen sein zu lassen. Das ging nicht. Der war immer getrieben. Und Victoria war das ganze Gegenteil. Wenn wir heute so Bilder sehen, sieht sie immer so streng aus und so vollkommen humorlos. Das war sie überhaupt nicht. Sie war lustig, sie war verspielt. Die hat ganz viel, einen ganz tollen trockenen Humor offensichtlich gehabt. Sie war super nachtragend. Aber das das Schöne, sie konnte auch über sich selbst lachen. Albert fühlt sich am Hof nie richtig heimisch. Als Menschenfänger würde ich ihn jetzt auch nicht bezeichnen. Der war immer sehr auf der Sachebene unterwegs. richtig Menschenfänger, das war nix. Das mussten andere machen. Beide haben eine Gemeinsamkeit, passt aber auch bisschen zum viktorianischen Zeitalter. So einen leichten Hang zum Melancholie kann man denen schon nachsagen, finde ich. Oder?
Catrin: Ja, doch. war auch bisschen schüchtern und dass er manchmal zu Schwermut neigte, das hat sich ja auch mit seiner schweren Kindheit zu tun. hatten ja beide, aber er hatte wiederum eine andere Art von schwerer Kindheit. Victoria verlor ihren Vater früh, Albert verlor seine Mutter sehr früh, allerdings nicht, weil sie gestorben ist, sondern sein Vater war ein Schürzenjäger und die Mutter war so verzweifelt darüber, sie hatte dann auch einen geliebten, aber anders als beim Vater. war ja eine männergeprägte Gesellschaft, wurde das ihr nicht verziehen, als das rauskam. Da war Albert fünf Jahre alt, musste sie den Hof verlassen und durfte ihre beiden Söhne nie wiedersehen. Das heiÃt, Albert wusste zwar, dass seine Mutter noch lebt, aber er durfte sie
Jörg: Hm.
Catrin: niemals wiedersehen und das muss ihn schon auch sehr geprägt haben, natürlich und sehr traurig gemacht haben. Er war mit seinem Bruder zusammen, sie lebten auf Schloss Rosenau und da muss er sehr einsam gewesen sein.
Jörg: Die beiden hatten ein sehr gutes Verhältnis. Er und sein Bruder waren schon eng.
Catrin: Ja, selbst sein Bruder Ernst, hatten ein sehr gutes Verhältnis. Ernst hat sich ja dann auch sein Bruder und Victoria, die Schwägerin immer wieder besucht in England. die waren sehr eng miteinander. Im Grunde fast so bisschen gewisse Parallelen aus der Kindheit von William und Harry nach dem Tod von Diana. Die sind ja zunächst
Jörg: Hmm.
Catrin: auch dann sehr stark zusammengerückt und erst später hat das Leben sie in entzweit. Das ist bei den beiden eigentlich nicht passiert. Aber jetzt wollen wir noch was kurz nochmal wiederholen. Die schwere Kindheit von Victoria, du hast es vorhin ja auch schon angeteasert. Sie hingegen war so bisschen geprägt durch diese ständige Beobachtung, diesen Zwang, dass sie mit der Mutter in einem Zimmer schlafen musste und dass sie immer versuchen wollte, sie zu überzeugen, dass sie doch diesem Sir Conroy dem Geliebten und Acrurys der Mutter gehorchen solle und dass er dann die Regentschaft vielleicht übernehmen würde, weil sie Königin wird, ohne Volljährig zu sein. Das war eben dieses Kensington-System, von dem du eben gesprochen hast. Und dem musste sie bis zum 18. Lebensjahr einfach irgendwie widerstehen. Und das war halt Also da hat sie auch schon Widerstandskraft gelernt und deswegen ist sie dann auch sofort ausgezogen, hast du eben auch gesagt. Und naja, mit Albert war sie dann ja glücklich und fein, daraus entstanden dann halt auch die vielen Schwangerschaften. Neun Kinder
Jörg: Genau.
Catrin: in 17 Jahren, das war jetzt auch nicht nur schön, das war auch körperlich ganz schön anstrengend.
Jörg: Ja, und sie, muss man sagen, sie hasste Schwangerschaften. Also, beschreibt sie in ihren Tagebüchern, das ist sowieso so toll. Die Tagebücher von Victoria sind ja eine tolle Quelle. Viele Sachen sind weg, aber das, was übrig geblieben ist, zeigt auch schon ganz, ganz viel von ihr. Und da sieht man richtig das Menschheit. Und
Catrin: Mhm, seh.
Jörg: zum Beispiel Babys, beschreibt sie da, das ist lustig zu lesen.
Catrin: Hehehehehe!
Jörg: Also, Babys sind für sie so kleine, hässliche, schrumpelige Frösche. Sie fand auch stillen und wickeln, das fand sie widerlich. haben sie ... musste sie selber.
Catrin: muss sie auch nicht selber machen, dafür war sie ja Königin.
Jörg: Aber allein, dass sie es wusste, das gemacht werden, das fand sie ganz schrecklich. Also insgesamt, sag ich mal, die Einstellung so zu Kinder, die Kinder überhaupt zu haben, das war eher unviktorianisch. das Bild einer liebevollen Kindsmutter, das hat sie nun nicht geprägt. Das würde ich ihr jetzt nicht so zuschreiben. Die hat aber in ihren Tagebüchern, da hat sie natürlich auch wieder diese starken Adjektive. Sie unterstreicht das immer wieder. Na ja, und wenn ich jetzt mal an die Tagebücher von Queen Elisabeth denke, wenn wir die irgendwann mal lesen können, vielleicht auch zu unseren Lebzeiten, dann befürchte ich, dass sie uns nicht so schöne Zeilen schenkt wie Victoria. Ich glaube, die werden sehr sachlich
Catrin: Nee, ich glaube, wird gar nicht so viel drinstehen.
Jörg: sein. Genau, da würden wir nichts über schrumpelige und hässliche kleine Froschkinder lesen. Sie hatte ja auch das Credo, zumindest hat man ihr das immer zugeschrieben, das war aber auch so eine viktorianische Geschichte. Finde ich immer ganz lustig den Spruch, obwohl er natürlich arrogant ist. Also Kinder, die möchte ich sehen, aber nicht hören. Das ist ganz eindeutig. Ganz klar, die wurden zugeführt und dann schaue ich sie mir an. Das unangenehme Laute, das mögen wir nicht so gerne. Das wollen wir gerne ausblenden.
Catrin: Ja, es ist ja auch wirklich noch lange im britischen Königshaus, auch in der britischen Aristokratie so gewesen, solange Kinder nicht problemlos bei Tisch sitzen und essen können, also bis sie, sag ich jetzt mal so 14, 15 sind, durften die gar nicht mit ihren Eltern essen. Das wurde immer dann getrennt abgehandelt bei auch William und Harry. Da war das auch noch so. Zumindest wenn sie mit dem Vater zusammen waren. Diana hat natürlich schon mit den beiden auch mal im Bett gesessen oder auf der Couch und dann vor dem Fernseher gegessen, aber an sich. Gerade auch wenn man bei der Queen zu Besuch war, dann mussten die erst mal mit der Nanny essen. Erst als sie älter waren, durften sie dann mit den Erwachsenen im Esszimmer sein.
Jörg: Hmm, genau.
Catrin: Zu dem Thema Kinder, solange sie sich noch nicht perfekt benehmen können, wollen wir die höchstens mal sehen, aber eben nicht hören. Ja, und ansonsten auch da war das Ehepaar Victoria und Albert ungewöhnlich. Es gab bei dieser Ehe meines Wissens keine Affäre, nicht?
Jörg: Nö, keine belegbare Und ich hab noch so nachgedacht und hab gesagt, ja guck mal, die ... Vielleicht war Victoria auch clever. Die hat den Albert so gefordert, hatte gar keine Zeit für Affären. Genau, vielleicht hat sie ihn so im Griff gehabt, man weià es nicht. Also die haben wirklich keine Affären gehabt. Auf Albert's Seite nicht, auf Victorias Seite nichts belegt. Ich glaub das auch nicht, dass es da irgendwas wäre.
Catrin: Ich glaube, es auch nicht.
Jörg: Und wenn, wäre es auch eigentlich nicht relevant. Es gab nachher Gerüchte ... zu einer gewissen Nähe zu ihrem schottischen Diener John Brown. Aber das war ja lange nach Albert's Tod. Und das bleibt auch bis heute reine Spekulation. Die Presse nannt sie sie damals hämisch Mrs. Brown. Das hängt auch damit zusammen, dass sie sich natürlich ganz oft so zurückgezogen hat. Und da konnte man dann so was sehr schön sagen. Und das sind natürlich die Gehässigkeiten auch des ganzen Hofstaats. Weil der Brown, konnte machen, was er will. Also das war... Ja.
Catrin: Die hat Einfluss bei ihr, die hat auf ihn gehört, strengerweise,
Jörg: Ich glaube, das fand die einfach knorke. Der war so lustig und ich glaube, die hat sich köstlich amüsiert, wenn John Brown dann sehr knorkig auf die reagiert hat und eine Sprache verwendet, die so gar nicht ankam und sich natürlich über die anderen auch erhoben hat. Das fanden die nicht so toll und ich glaube, sie fand das richtig toll. Zumindest wäre das so... Auch beschrieben in dem wunderschönen Film mit Judi Dench, die ja oft die Queen gespielt hat, die Victoria, Her Majesty Mrs. Brown. Kann ich nur empfehlen, kommt auch bei uns in die Shownotes. Schaut euch das unbedingt an. Ganz toller, herzereisender Film. Aber im wahren Leben ungewöhnlich treu und das mit John Brown, muss man mal sehen, ist letztendlich aber auch für ihre Regierungszeit hat tatsächlich nicht von Belang, würde ich mal sagen.
Catrin: Das war in der Phase, wo sie sehr zurückzogen gelebt hat. Vielleicht noch ein kleiner Einschub von mir. Ich hab viel darüber nachgedacht, was sie an ihm fand. Nachdem Albert so früh gestorben war, er war der Einzige, der auch mal widersprochen hat und ihr auch mal dagegen gehalten hat, wenn sie sich in die falsche Richtung vergaloppiert hat. John Brown war der Einzige, der sich getraut hat, auch mal zu sagen, hör mal zu. So ungefähr. Da hat es aufsglich sehr, sehr leger gemacht. Das ist unvernünftig, das machen wir jetzt nicht, Majestät. Dann hat sie auch auf ihn gehört. Das haben ihre Kinder mit groÃen Augen gesehen oder die Hofstadt und konnten es nicht fassen, weil auf die Erwachsenenkinder oder die Hofstadt hat sie eben nicht gehört.
Jörg: Ne und da wurd's dann auch eher wahrscheinlich so gesagt, das tut man nicht, das macht man nicht und ohne Ãberzeugungskraften der hat das einfach anders drauf gehabt. Also Victoria war schon auch anfällig dafür, wie man mit ihr spricht und was da angesprochen wird. Und da kommen wir nachher nochmal zu dem Premierminister Disraeli. Und ein weiterer Mann, den sie gar nicht leiden mochte, das war Gladstone. der hat sie zum Beispiel, es wurde mal gesagt, eine öffentliche Versammlung hat er die behandelt, so als Institution. Das war weder menschlich noch war es besonders respektvoll. Die wurde da tatsächlich zu einer Institution degradiert. Ja, und da passierte gar nichts. Da scheiterte sie wieder auf Bockig. Denen sie einfach nicht ab. Genau. Aber wir gehen nochmal zurück zu Albert's Lebzeiten, glaube ich.
Catrin: Ja, das wollten wir nochmal tun, weil wir haben ihn ja noch sozusagen noch nicht abgefrühstückt, muss man ganz respektlos zu sagen. Nämlich zum Winter 1862, was glaube ich, nee, 1861, die
Jörg: 61 glaube ich.
Catrin: Katastrophe schlechthin für die liebende Ehefrau Victoria verliert ihren Gattin.
Jörg: Genau, und das wahrscheinlich an Typhus. Hintergrund wird sein, jahrelange Ãberarbeitung. Der war sowieso geschwächt. mit gerade mal 42 Jahren.
Catrin: und der hat wahnsinnig viel tun.
Jörg: Victoria bricht komplett zusammen. Sie trägt bis zu ihrem eigenen Tod 40 Jahre später dann auch ausschlieÃlich schwarz. So kennen wir sie eigentlich alle.
Catrin: Die schwarze Witwache in Windsor,
Jörg: Sie lässt Albert Zimmer in Windsor jeden Morgen mit frischem Wasser und frischer Kleidung herrichten. Eigentlich immer so bisschen, als würde er gleich die Ecke kommen und sei da. Aber das geht Jahrzehnte noch so weiter. Und sie schläft weiterhin mit seinem Nachthemd im Arm und lässt auch eine Gipsabformung seiner Hand neben ihrem Bett aufstellen. Ich glaube, die sieht man auch in Osborne House wenn mich nicht irre
Catrin: Ja, das stimmt. Aber da läuft einem schon ein bisschen komisch den Rücken runter, das ist dann doch ... gerade so eine Gipshand, ist spooky, wie das eiskalte Händchen in der Addams Family oder so.
Jörg: Ja. Aber das finde ich in der viktorianischen Zeit, wenn man auch mal so alte Serien sieht oder so, das war ja wirklich dieses leicht morbide auch dieses Haar, dass man Haare abgeschnitten hat, wurden dann in einen Rahmen gepackt und so und auch Zähne
Catrin: Und jetzt in Meraio uns nun umhelfen.
Jörg: und dann also das ist so etwas da, ist nicht so ganz mein Ding.
Catrin: Ja, das ist ja auch die Zeit, dann tatsächlich erstmals Trauerschmuck erfunden wurde unter Queen Victoria. Also alles aus Schwarz aus Jett oder irgendwie, dass eben selbst Perlen nicht ausreichen, Trauer zu bekunden. Sondern es musste dann auch noch schwarzer Schmuck auf schwarzem Kleid sein. Also das hat sich schon bis zum Exzess durchgezogen, muss man sagen.
Jörg: Genau, schwarzer Adler auf schwarzem Grund. Also sie war da total obsessiv und ist letztendlich dem Trend, morbiden Trend, vielleicht ist der aber auch entstanden, weil sie so war, weià ich auch gar nicht, was zuerst da war. Auf jeden Fall hat
Catrin: Ja, weià man vielleicht auch nicht, ne? Weià ich auch nicht.
Jörg: sie sich komplett aus der Ãffentlichkeit zurückgezogen und das war ein groÃes Problem. Wir hatten ja letztens schon drüber gesprochen.
Catrin: Hm.
Jörg: Genau und ja warum? Die Ehe war das Zentrum ihres Lebens neben der Krone. Aber viel mehr als die Krone. So viel hat die Krone ihr letztendlich doch nicht bedeutet. Albert war ihr absolut wichtiger. Sie
Catrin: Hm.
Jörg: neigte ja dazu, Statuen zu bauen. Auch Hunde, die sie sehr gerne mochte, haben eine Statue gekriegt. Das Memorial von Albert ist gebaut bei Prince Albert Hall
Catrin: Ja.
Jörg: usw. Genau, da war sie sehr, sehr obsessiv in ihrer Trauer. Aber irgendwann, da hat sie sich ja dann gefasst, nach gut 15 Jahren hat sie es dann geschafft.
Catrin: Ja, kaum waren 15 Jahre vergangen, da hat sie dann endlich mal wieder eine ihrer wichtigsten Pflichten wahrgenommen als Monarchin, zum Beispiel das Parlament zu eröffnen. Das kann man sich gar nicht vorstellen, dass sie sich tatsächlich standhaft geweigert hat, 15 Jahre lang das zu machen. Also das war schon wirklich schwierig.
Jörg: Das muss man sich mal vorstellen, jetzt 15, auch wenn ich das noch mal so ruhig übersehe, 15 Jahre war die quasi nicht sichtbar, dass sie das sozusagen überstanden hat überhaupt. Das wundert mich schon. Na ja, die Politik konnte machen, was sie wollte. letztendlich gab es nachher zum Schluss tatsächlich aber eine Krise. Und das ging nicht so weiter. Und sie hatte die Disraeli eigentlich zu verdanken. dass sie aus dieser Krise geholt wurde. Der war einer der groÃen Gründe dafür, dass sie rausgegangen ist. Der hat es verstanden, sie da ein bisschen zu umgaren. Und vielleicht ist dieser Teil, der Grund dafür, warum Elisabeth damals so oft darauf bestand, immer gesehen zu werden. Das war ja so ein Wahlspruch, ich muss gesehen werden als Königin. Das beruht auf diesen Erfahrungen, denke ich. ja,
Catrin: Ja, kann ich mir gut vorstellen.
Jörg: Viktoria hat das sehr vernachlässigt. Die war eben nur noch mit ihrer Trauer beschäftigt. Disraeli das ist ja mein Liebliingspremierminister muss ich sagen. Den finde ich toll. Das ist so ein Dandy. Also auch tolle Biografien gibt es über den. Auch Multitalent, Romancier und so. Und Anfangs stand Victoria De Disraeli ablehnend gegenüber. Der hat was gemacht, was sie nicht so toll fanden. Sie hat sich ja nun an Robert Peel so gewöhnt. Das war ein ... Mit ihm gab es groÃe Probleme als Premier, aber dann hat er sich gewöhnt. Und wenn er sich dran gewöhnt hat, wir merken, konservativ, dann finden wir es auch toll. Und kaum hat man sich dran gewöhnt, kommt nun dieser Disraeli. Und der war extravagant gekleidet. Der war Romanautor. Er hat politische Abenteuer hinter sich. Und so ein Typ sollte jetzt Vertrauensmann der Krone werden. Das konnte sie gar nicht verstehen. Und Disraeli war aber ein kluger Mann. Der hat Victoria geradezu studiert. Das war nämlich ein Menschenfänger im Gegensatz zu Albert. Der wusste ganz genau, wie die Leute ticken. Und der erkannte, dass sie nicht nur informiert, sondern emotional einbezogen werden will. wenn sie das so als Monarchin, die wollte als Monarchin, die wollte aber auch als Frau und die wollte als Witwe wahrgenommen werden. sie wollte kein lästiges Verfassungsorgaben sein, wie man irgendwie widerwillig Akten vorlegt. Das hat die Historikerin Jeanne Ridley beschreibt, ist ganz ganz toll und auch unverblümt. Disraeli gewann sie hauptsächlich durch Schmeichelei. Er trug sie geradezu mit der Maurerkelle auf und Viktoria liebte es. Und das hat tatsächlich auch Disraeli irgendwann mal erwähnt. Er hat gesagt, ja alle Menschen mögen Schmeicheleien. Alle. Bei Royals muss man sie mit der Maurerkelle aufkragen. Ganz groÃflächig.
Catrin: groÃflächig und passt höchst.
Jörg: Das hat er super beherrscht, muss man wirklich sagen.
Catrin: Ja, hat ja gut geklappt.
Jörg: Cooler Typ. Und Dandy auch. Modisch war er echt lustig. So Bilder sieht, war er seinerzeit weit voraus. Für alle Modeinteressierten.
Catrin: Dazu kam ja auch noch, dass er ein sehr guter Briefeschreiber war. Man schrieb sich
Jörg: Ja.
Catrin: damals auch viel mehr. Victoria schrieb auch sehr gefühlstarke Briefe, wie du sagtest, den vielen Adjektiven und Unterstreichungen. Dieser Premierminister schrieb auch lebendige, elegante und nahezu romantische Briefe. Da hat das wohl ganz gut ausbalanciert. Und er berichtete eben ganz bewusst nicht nur über trockene Politik, über Kabinettsbeschlüsse, sondern versuchte, die Personen lebendig werden zu lassen, die Stimmung und kleine Intrigen. Sie war auch ein groÃer Fan über Klatsch und Tratsch und Intrigen immer in Briefen zu lesen und so kleine menschliche Beobachtungen. Und Victoria hat dann auch mal lobend bemerkt, seine Briefe lesen sich wie seine Romane. Ja, und er
Jörg: Ja, das
Catrin: hat sie ja auch mit sehr eleganten und Schmeich. Stichwort Schmeichelei mit schmeichelhaften Namen wie The Fairy Queen, so hat man früher auch Elisabeth I. genannt oder seine Sovereign Mistress. Also er hat sie auch sprachlich wie eine groÃe Herrscherin aus einem Ritterroman behandelt und er hat dabei auch einen wirklich genialen Perspektivwechsel vollzogen. Er weckte nämlich den Eindruck, die wirklich groÃen Strahlsfragen würden in Victorias Sessel in Balmoral entschieden und er selbst kümmere sich dann nur noch so die kleinen Details und die Ausführungen in London. Aber für alle wirklich groÃen Entscheidungen, bedeutende Sachen, da bräuchte er natürlich ihre lange Erfahrung und auch das natürlich dann inhaltliche Schmeichelei.
Jörg: Das finde ich so toll an dem, dass der sich so zurückgenommen hat. Und nicht diese Eitelkeit, das hätten Gladstone oder Peele nie gemacht. Die wollten so, ich habe das entschieden. der konnte sich so zurücknehmen, das finde ich wirklich genial. Da sieht man einfach, dass der auch ein Diplomat war. Natürlich hat er das alles gemacht. Aber er hat ihr einfach das Gefühl gegeben, ja, ich hab Macht, ich kann was im Detail beweisen. Das hat er im Ãbrigen, das haben wir noch gar nicht erwähnt, aber wie gesagt, zu Victoria, da kann man so viel erzählen. wurde dann auch aus einer Schmeichelei heraus, wurde sie ja dann Kaiserin von Indien. Das war
Catrin: Hm.
Jörg: natürlich richtig was wert für sie. Das hat auch, das haben wir Disraeli zu verdanken sozusagen, dass der das gemacht hat. Man kann eigentlich so, wenn man die beiden Premierminister mal nebeneinander stellt, kann man sagen, Gladstone, erklärte ihr die Welt. Und Disrael, der lässt sie glauben, sie erkläre ihm die Welt. Und das
Catrin: Was natürlich viel geschickter ist.
Jörg: ist viel geschickter. Es gibt auch ein ganz tolles Zitat von Disraeli das mag ich sehr gern. Und manchmal versuche ich das, wenn ich mich so aufrege über Dinge, die ich nicht ändern kann. mich Leute ärgern, versuche ich das auch
Catrin: Hahahaha
Jörg: auf mich zu übertragen. Da wurde mal gefragt, wie kommen Sie eigentlich mit dieser Frau so gut zurecht? Weil alle anderen waren wirklich teilweise stark abgenervt. Und er hat gesagt, nie etwas rund heraus ablehnen, niemals widersprechen und bisweilen einfach vergessen. Und das hat er auch gemacht. Also er hat einfach nicht widersprochen, das wird sich schon in Sande verlaufen. Das war dann auch so. Das hat er wirklich richtig, richtig toll gemacht. Ja, das ist so. Ein kurzer Abriss zu Victoria. Wie gesagt, es gibt Tausende von Büchern zu Victoria. Ganz, ganz tolle Geschichten. Und da steckt viel, viel mehr noch dahinter. Da könnten wir jetzt stundenlang weiter reden. Aber für euch vielleicht nochmal, ja, vielleicht gleich eine Gesamteinschätzung Queen Victoria, weil wir wollen ja in unserem Podcast, erzählen wir euch das ja nicht, weil wir uns nur gerne zuhören, tun wir auch. Ihr uns auch hoffentlich. Aber wir wollen ja immer die Verbindung hinkriegen zur heutigen Monarchie. Was hat das für Auswirkungen? Was lernt uns das sozusagen? Gesamteinschätzung? Queen Victoria, Catrin fangen wir mal an.
Catrin: Ja, ich fange mal eben an. Also ich kann dir auch nur nur da zustimmen. Wir könnten jetzt natürlich auch nur Schlaglichter setzen, weil es ist unendlich viel in jedem Detail, was man da noch allein schon die einzelnen Beziehungen jeweils zu ihren ganzen Kindern und ihren Schwiegerkindern, was man da nicht noch alles erzählen könnte. Vielleicht machen wir da auch nochmal Sonderfolgen. Auf jeden Fall finde ich, es ist ein unglaubliches Leben. Spannend, sie selber eine spannende Frau, eine spannende Regentin, eine groÃe Monarchin trotz all ihrer Fehler und Marotten. Aber sie hat sich ja lange gehalten, hat einem ganzen Zeitalter ihren Namen gegeben. Und das im 19. Jahrhundert, als Frauen eigentlich selbst in der Oberschicht nicht viel zu melden hatten gesellschaftlich, sondern immer ihrem Gatten untertan waren. Und eins wollte ich noch mal einfügen, das ist glaube ich noch etwas zu kurz gekommen. Sie und Albert zusammen, sie haben ja auch einfach viel gut machen müssen, was das Ansehen des Königshauses betraf, nach diesem George IV. und diesen ganzen Hanoveranerkönigen, die da wirklich rumgewütet haben und Affären hatten und uneheliche Kinder. Und das war, ich glaube, war sogar noch mehr Alberts Idee als ihre, aber sie waren dann so die erste Familie des Landes, die sich fast bürgerlich präsentierte mit den neuen
Jörg: Mmh.
Catrin: Kindern und ganz bürgerlich ehrlich und die eben nicht nach auÃen nicht sehr prungvoll auftraten, sondern ganz arbeitsam und zuverlässig. Also dieses bürgerliche, was im Grunde ja noch bis zu verstorbenen Queen sich auch so ein bisschen gehalten hat. Ehefrau, Ehemann, hart arbeitend, vier Kinder und wir sind eure erste Family und das Ich denke, da ist auch ein bisschen die Verbindung zur heutigen Monarchie noch zumindest bis inklusive Elisabeth II. Ja, Fazit.
Jörg: Sie hat das so nach innen ge- Die beiden haben, ja die beiden haben das so nach innen, war das das mit der Familie, die haben das Land
Catrin: Hm.
Jörg: nach innen gestärkt, also eine riesige Reformarbeit. Dann das organisatorische nach innen, muss man auch sagen, eine riesige Herausforderung. Und dann müssen wir auch sehen, das ist zu einer Zeit, wo das Empire, also das zweite Empire,
Catrin: Ja, das war das Empire.
Jörg: das, das wir so kennen, eigentlich im Begriff war. richtig zu wachsen. Deswegen auch nachher 1876 Kaiserin von Indien und so weiter. Da ist unglaublich viel los gewesen und in dieser Zeit hat sie eben regiert. Und das dann trotz des Todes von Albert auch finde ich letztendlich doch richtig, richtig gut. Ja und ich finde, das ist eine Königin, die bei mir so immer, ja das sei halt noch eine richtige Königin und ich weiÃ, ich habe immer im Hinterkopf Die war auch nicht so schlimm, wie sie immer dargestellt wird. Sondern hat eben auch das Menschliche gehabt. Und das finde ich ganz, ganz toll. Die hatte ja Probleme mit ihren Kindern und war auch manipulativ unterwegs und so. Aber
Catrin: Hmhmhm.
Jörg: das finde ich sind, das sind ja so menschliche Geschichten. Aber diese Symbolkraft, die sie ausstrahlt und auch nach innen und nach auÃen, das ist, jeder kannte Victoria auf der ganzen Welt. Das war die Königin. Schlechthin muss man sagen. Das bleibt bei ihr, kann man so sagen.
Catrin: Ja, damals war sie die Queen und ihr Profil auf den Münzen oder auf irgendwelchen Abbildungen war weltweit bekannt. Und das machte sie damals schon zu etwas sehr Besonderem.
Jörg: Genau, so wie nachher Elisabeth II. eben auch die Queen war, wenn man von der Queen gesprochen hat.
Catrin: Hm.
Jörg: sprach man von dieser. Noch heute sprechen im Ãbrigen ganz viele von der Queen, meinen aber nicht Camilla. Skandal, Skandal. Wunderbar.
Catrin: Nein!
Jörg: Gut, das war der erste Teil und gleich geht es weiter mit Edward, dem Siebten, der Playboy, der fast zu spät König wurde. euch ein Teechen oder ein Bier oder ein Gin Tonic, was auch immer. Gleich geht's weiter.
Catrin: Genau.
Jörg: So, Catrin Jetzt bleiben wir natürlich in der Familie. Victorias ältester Sohn Bertie, der spätere Edward VII. Und den kennen wir ja nun schon als den Sohn, dem Victoria den Tod seines Vaters ziemlich direkt vorgeworfen hat. Das habe ich gar nicht so deutlich gemacht, das muss man nur mal sagen. Also, Victoria hat nicht Typhus im Kopf gehabt, sondern Bertie als Krankheitsbild. Bertie war es, der ihn fertig gemacht hat mit seinen ganzen Skandälchen und so weiter. Dem wirft er das vor, letztendlich, oder hat sie ihm das vorgeworfen. Und wie ging es denn jetzt weiter, nachdem unsere von uns gegangen ist?
Catrin: Na ja, gut, gab ja einen Thronfolger. 1901 ist sie, nicht von uns, aber von den Briten damals gegangen quasi. Von einem royal Interessierten.
Jörg: Ja, also quasi von uns. sind ja auch Briten.
Catrin: der war ja jetzt nicht gerade ein Jungspund, als er Thronfolger wurde. Seine Karriere als Thronfolger lieà sich ziemlich zähe an. Im Grunde so ähnlich wie beim damaligen Prinz Charles, jetzt König Charles. Berti wurde ja sehr bald nach der EheschlieÃung geboren, nämlich 1841. war also fast 60 Jahre alt, als er 1901 endlich König wurde. Das war die längste Wartezeit als Thronfolger, die es bis dahin je gegeben hatte, bis dann Charles kam. 60 Jahre Prinz auf Wales beinahe. Und Victoria hat in dieser Zeit so gut wie in die an irgendetwas rangelassen, an Staatsgeschäften beteiligt oder irgendwas. Er durfte sie halt schon beim Repräsentieren vertreten, musste er ja auch, weil sie 15 Jahre sicher zurückgezogen hatte nach dem Tod von Albert. Aber trotzdem, also an die berühmten roten Boxen durfte er nicht ran. Er durfte nicht üben und Erfahrungen sammeln, was er eigentlich ziemlich dumm war. Aber es erklärt auch ein bisschen, zumindest einiges von dem, was jetzt kommt. Ein Mann, wirklich verschiedene groÃe Talente hatte, wenn auch nicht so viele wie sein Vater, aber er war ja kein Dovian. Er hatte vor allem ein enormes gesellschaftliches Talent. Er war ein Menschenfänger tatsächlich, der aber jahrzehntelang daran litt, dass er keine richtige Aufgabe bekommen hat und diese Energie eben dann anderweitig einsetzte, weil er nicht wirklich sonst was mit sich anzufangen wusste.
Jörg: Es ist aber auch lustig, dass sich das immer so wiederholt. Man sieht ja doch, die Menschen müssen immer wieder die gleichen Fehler machen, weil sie nicht aus der Vergangenheit lernen. Das ist natürlich auch eine schlechte Idee, jemanden, gerade solchen Menschen wie Bertie, keine Verantwortung zu geben. Wo soll der da mit seiner ganzen Energie hin? Das macht
Catrin: Ja, was soll er den ganzen Tag machen?
Jörg: er natürlich. Party, Blödsinn und so weiter. Und das hat er auch gemacht. Genau. Allerdings gab es dann irgendwann einen kleinen Einschnitt, was heiÃt einen kleinen, relativ groÃen sogar, nämlich seine Ehe mit Alexandra von Dänemark. Keine Liebesheirat, würde ich nicht so bezeichnen, oder?
Catrin: Ja, also es war schon eine klassisch arrangierte Ehe. Die ganze Familie war sich einig, dass man jetzt für Bertie mal eine Ehefrau suchen muss. Und da hat dann auch seine bereits verheiratete Schwester Vicky, die älteste Tochter auf dem Kontinent, die war ja mit dem preuÃischen Thronfolger und dann später Kaiser Friedrich III. verheiratet. Die hat also ganz klar protestantische Prinzessinnen gescannt, die in Frage kamen auf dem Kontinent im Auftrag ihrer Mutter Victoria. und hat dann auch immer Briefe geschrieben und berichtet, die ist so und so und die ist zu dick, zu dünn, zu hässlich oder die ist eben doch nicht protestantisch genug. Jedenfalls fanden sie dann irgendwann Alexandra von Dänemark, die ja sehr, sehr schön war, auch für damalige Verhältnisse, galt als groÃe Schönheit. Und dann wurde ein quasi zufälliges Treffen arrangiert und dann traf man sich und inwieweit da echte Gefühle von Anfang an dabei waren oder ob man sich die nur eingeredet hat, das ist halt so eine Frage. Alexandra war ja auch Eine junge Frau ihrer Zeit, natürlich völlig unerfahren, was Männer betraf. Dann hat Bertie ihr bisschen geschmeichelt, er konnte ja sehr charmant sein. Und dann hat sich natürlich sofort, wie das bei jungen Dingern oftmals so war, auch in ihn verliebt. Bei der Hochzeit war es von ihrer Seite aus, glaube ich, schon irgendwo eine Liebesheirat, obwohl es natürlich arrangiert war. Und Bertie fand sie ja auch sehr schön. Also wenn eine Frau gut aussah und sich gut gleitete, war er ja auch erst mal Feuer und Flamme. Auch wenn halt Victoria und Albert, Albert wusste übrigens dann auch schon, bevor er starb, dass die in der engen Auswahl war, so der hat so halb noch seinen Segen dafür geben können, bevor er dann da hinschied. Die waren jedenfalls sehr mit dieser Prinzessin einverstanden, weil sie kam aus einem protestantischen Haus und war geeignet und Vicky in PreuÃen hatte das alles vorher schon so ein bisschen eruiert und recherchiert und naja, Vicky in PreuÃen ist die älteste Tochter des Paares
Jörg: Also Vicky in Preussen ist die älteste Tochter von Victoria.
Catrin: und Na ja, und sie war ja dann zwar war damals ihr Vater Christian IX., wie er später hieÃ, noch nicht König, aber er wurde es dann. Er war schon Thronfolger und später wurde er auch der Schwiegervater Europas genannt, weil seine Kinder alle sehr gut geheiratet haben. Eine Schwester von Alexandra wurde dann Zarin von Russland, Dagmar, die dann später Maria Federovna hieÃ. Ein Bruder wurde dann später natürlich der nächste König von Dänemark und einer wurde auch König von Griechenland. Also das war schon eine Familie, wo die Kinder alle sehr gut geheiratet haben. Von wegen GroÃmutter Europas, Schwiegervater Europas, waren alle sehr eng verwandt. Und Alexandra, genannt Alex in der Familie, galt als bildschön gut erzogen. Zwar nicht nicht super intellektuell, aber auch durchaus nicht dumm, aber auf jeden Fall von sehr angenehmem Charakter und politisch nicht wirklich interessiert, also politisch unbedenklich. Das war ja schon auch wichtig. Wie eben schon kurz erwähnt, Bertie selbst hat sie erst kurz vor der Verlobung. vor der Verlobung kennengelernt, sie einmal quasi besichtigen dürfen, anlässlich eines Bildungsaufenthaltes in Deutschland, dann traf man sich halt so ganz ganz zufällig, als dann zwei Gruppen von Adligen beide zur selben Zeit den Dom von Speyer besichtigten. Mensch, Wahnsinn, das ist fast wie Tinder. Wer
Jörg: Ja, genau.
Catrin: ist gerade in der Gegend? Aber man war sich wirklich sofort sympathisch, das war wirklich so. Die waren ja auch ungefähr im selben Alter und waren also beide positiv, weil Bertie wusste ja auch, er muss ja jetzt auch mal eine Prinzessin heiraten und es hatte sich da nichts ergeben. vorher und dann traf man sich noch zu zwei drei spaziergängen und dann war es auch schon abgemacht und dann hat auch Bertie nicht lange gefackelt und ihr dann auch sehr schnell einen antrag gemacht das war zwar nicht ganz so romantisch wie bei victoria und albert aber es war eine emotional positiv belegte wenn auch sorgfältig geplante dynastische verbindung und also die sind schon beide mit guten gefühlen in die ehe gegangen
Jörg: Ja, und diese Frage ist ja auch immer mit der Moral jetzt, wenn Bertie das ja auch später nicht so ernst genommen hat Auch da wieder zurück in die Zeit. Wie lief das damals? Was war üblich, was war nicht üblich? aber ich möchte noch mal zu der ungezügelten Energie kommen. hatte er jetzt. Die
Catrin: Ja.
Jörg: sollte jetzt in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Ja, und dann gab es, ich habe es ganz zum Anfang eben kurz erwähnt, das kannst du gleich noch mal ausführen. Kurz vor der Hochzeit, da sag ich jetzt mal, es einen Ausrutscher, der sich zum Skandal entwickelte. und letztendlich dazu führte, dass Victoria Zeit ihres Lebens mit Albert's Tod immer wieder Bertie und diese Affäre mit in Verbindung bringt. Erzähle uns doch von der mal. Ich hab das nur kurz angerissen.
Catrin: Ja, ja, also das ist im Grunde war aus meiner Sicht bis heute gar keine groÃe Sache. Bertie hat sich da nur verhalten wie alle jungen Männer in seinem Alter in der Aristokratie oder auch andere Prinzen.
Jörg: Ausrutscher, sag ich doch.
Catrin: Ja, aber Victoria und Albert waren ja beide so prüde und die waren halt, weil sie selber nie Affären hatten, sind sie irgendwie davon ausgegangen, dass alle ihre Kinder diesen selben Moralvorstellungen würden folgen müssen. Und Berti hatte aber davor dann schon eine Militärausbildung, zeitweise in Irland gemacht. Und da haben natürlich dann auch seine Kameraden sich immerhin lustig gemacht, dass er noch eine Jungfrau war sozusagen und haben ihm dann eines Abends eine junge, nette Schauspielerin in sein Quartier ins Bett gelegt. Die haben sie irgendwie herangeholt
Jörg: Mmh.
Catrin: und haben sie gesagt, hier, junger Mann, noch keine Erfahrung hat, mach mal. Der war ja auch so die weiblichen Reizen sehr zugetan, der fand das lustig und hat dann da seinen Unschuld verloren und alles war prima. Aber irgendwie haben die dann alle so bisschen gequatscht und nach Hause geschrieben, seine Kameraden, und dann drang es leider auch zu Viktoria und Albert durch und die waren völlig entsetzt. Die haben wohl tatsächlich von ihrem Sohn erwartet, dass der auch unschuldig in die Ehe geht, was eigentlich für Männer damals überhaupt nicht üblich war. Das waren sehr, sehr hochgestochen Erwartungen, wo man auch denkt, was hatten die denn für Ideen? Aber sie waren empört. Und dann war Bertie schon beim Studium in Cambridge und dann reiste Albert eines Tages extra zu seinem Sohn hin, ihm richtig ausführlich Vorwürfe zu machen. Und dann sind die beiden spazieren gegangen. Aber das englische Wetter war so schlecht. Es wurde immer kühler und es goss in Strömen. Und Albert war schon krank, hatte wahrscheinlich eine schwere Erkältung oder irgendwas.
Jörg: Der war ja so überarbeitet zu der Zeit auch. Genau.
Catrin: Der war ja auch so angegriffen und überarbeitet. Sein Immunsystem war wahrscheinlich ganz schlecht dabei. Und dann fuhr er durchnässt und in schlechtem Zustand wieder nach Hause, nach London. Und dann starb er tatsächlich einige Wochen später. Und das hat Viktoria ihrem Sohn Bertie nie verziehen. Sie hat ihm tatsächlich diese Verantwortung aufgebürdet. Emotional. Ganz furchtbar. Das finde ich ganz schlimm. Aber sie war halt eben sehr emotional. Sie war nicht psychologisch gebildet. dass man damit einen Menschen auch wirklich kaputt machen kann und prägen kann fürs Leben mit solchen Vorwürfen. Das wusste man damals nicht. ja, da war sie ganz wie so ein Sturkopf. Das hat sie ihm immer wieder vorgeworfen, hat in ihren Briefen geschrieben, sie möchte ihn gar nicht mehr angucken müssen, weil sie immer nur an den Tod von Albert denken müssen. War ganz furchtbar.
Jörg: Ja, grauenhaft. Und das ist ja durchgedrungen zu Victoria und Albert. Ist es auch zu, also vor der Hochzeit ja dann zu Alexandra durchgedrungen? Wusste die? Nein, die wusste gar nichts davon.
Catrin: Nein, das wurde ja auch den dänischen Verwandten so nicht. Sie haben sich schon sehr
Jörg: nicht untergejubelt.
Catrin: bemüht, das wurde ja auch nicht in der Zeitung gebracht, damals noch nicht. Das war halt in den aristokratischen Kreisen. In England hat sich das dann so bisschen rumgesprochen, weil die Regimentskameraden halt drüber gequatscht haben. Aber es war jetzt kein öffentlicher Skandal, das kann man nicht so sagen.
Jörg: Nee. Und sonst hätte sie das wahrscheinlich auch mit ihrem Gleichmut, der trägt sie nämlich all die Jahre weiter, hätte sie es wahrscheinlich auch da schon ertragen und hätte da anders draufgeguckt. Vermute ich tatsächlich. Mir fällt
Catrin: Wahrscheinlich. Also sie hätte sicherlich die Hochzeit nicht abgesagt, deswegen das glaube ich nicht. Das war keine Option.
Jörg: gerade mit Dänemark und Benehmen und diese ganzen Geschichten ein. Victoria hatte ja keine besonders guten Tischmanieren. Auch das ist leider belegt. Sie hat ja so geschlungen, auch leicht geschmatzt und solche... Ja. Und ich
Catrin: Ja, das haben ihre Verwandten ja auch. George IV war ja auch so gierig und so.
Jörg: weià gar nicht, ob das jetzt kommt. Ich hatte doch mal die Geschichte erzählt, ich muss mich mit Sitzmöbeln unterhalten, eine halbe Stunde.
Catrin: Hm.
Jörg: Ich glaube, das ist in dieser Zeit entstanden.
Catrin: Ja, hast du recht.
Jörg: Da fing das an, als man das gemacht hat. Da war dann tatsächlich Dänemark bekannt dafür. Die haben sozusagen ihr Institut für gutes Benehmen aufgebaut. Man schickte sie dorthin. Aber leider hat Viktoria davon nichts mitbekommen. Aber eben auch durch diese furchtbare Kindheit, sie hat. Das muss man ja auch mal sagen. Also sie wurde ja von allem ferngehalten. Also für alle Mütter und Väter. Haltet eure Kinder nicht fern vor gesellschaftlichen Verantwortung, dann klappt's auch mit Messer und Gabel und all den anderen Dingen. Wenn man
Catrin: Ja.
Jörg: das nicht tut, ja, finde ich wirklich dann darf man sich nicht wundern, dass die das nicht können. So, sie konnte es nicht. Zeit Lebens, im Ãbrigen, hat sie nie gelernt. Genau.
Catrin: Ja, aber sie war die Königin und Kaiserin, sie musste sich nicht gut benehmen. Aber wieder zurück zu unserem jungen Traumpaar. Also die Ehe wurde geschlossen. Victoria nahm ganz in Schwarz auch teil, aber von oben aus in einer Loge in der Kirche. Sie saà da nicht mit unten drin, weil sie ja noch so wahnsinnig in Trauer war. war
Jörg: Hmm.
Catrin: nämlich dann, das war im Jahr nach dem Tod von Albert 1862. Das heiÃt, die Ehe begann schon unter einem Schatten. Selbst auf den Hochzeitsfotos musste dann immer noch eine Büste von Albert im Hintergrund stehen. Es war auch so eine Manie von Victoria, dass irgendwie eine Büste oder ein Bild von Albert auf allen Familienfotos mit drauf sein musste, ihn noch irgendwie zu inkludieren. Das war schon wirklich so sehr speziell. Also die beiden, hatte ich noch nicht erwähnt, die beiden heirateten... nee, war 1863, Entschuldigung, habe ich mich eben vertan. In der St. George's Chapel in Windsor.
Jörg: St. George Chapelle.
Catrin: Genau, wo ja heute auch noch viele royale Hochzeiten stattfinden. Und Alexandra war 18 und Bertie 21. Eigentlich passten die im Alter wirklich gut zueinander. Und die haben dann auch beide wirklich sich gut aneinander gewöhnt. Das ist schon auch bemerkenswert. Es entwicklte sich wirklich eine solide Zuneigung zwischen den beiden, weil sie eben auch einen ähnlichen Humor hatten und sich schon auch gegenseitig respektiert haben. Aber es war, wie sie ihr dann ausgestaltet haben, war zumindest aus heutiger Sicht ungewöhnlich. aus damaliger Sicht vielleicht nicht so ungewöhnlich, denn im Hochadel war es schon auch so, dass man erst mal standesgemäà heiratete Kinder bekam, aber dann waren Affären schon auch oft da und da wurde sich nicht groà drüber aufgeregt, je nachdem wie die Menschen drauf waren, aber es war jetzt nicht so ungewöhnlich, wie Bertie sich dann benommen hat. Aber erst vielleicht nochmal, naja, vielleicht erst nochmal zu Alexandra.
Jörg: Ja genau. Also da würde mich mal interessieren, die Einschätzung, wir springen so ein bisschen,
Catrin: Ja.
Jörg: aber das macht auch nichts. So kennen uns die Zuhörer ja auch. Mich würde noch mal interessieren, was für ein Mensch Alexandra war. Du hast noch mal gesagt, die war politisch, unbefleckt nicht gefährlich und so weiter. Ja, intelligent, ganz normal gebildet, wie man das halt so war. Wunderschön. Im Ãbrigen, immer wenn ich eine Büste von Alexandra sehe, verwechsel ich die auch gerne mal auf den ersten Blick mit Mary von Teck Die waren sich so vom Typus, weil die Klamotten aber auch so sind mit diesen Eilten. Jaja, die sehen
Catrin: Ja, und die Fransen über der Stirn, diese kleinen Löckchen, hatten sie eine Zeit lang beide.
Jörg: sich sehr, sehr ähnlich, finde ich persönlich. Aber die war sehr stylisch. Das betonen alle Quellen. Aber was war sie denn noch so
Catrin: Ja, sie konnte auch selber nähen,
Jörg: als Familienmensch? Und wie war die so mit ihren Eltern und Geschwistern? Jetzt seh mal ein bisschen von Alexandra Was für ein Typ war die?
Catrin: Also die hatte tatsächlich eine sehr glückliche Jugend, zwar durchaus ein bisschen eingeschränkt, was die Finanzen betrifft. Ihr Vater war zwar Thronfolger, aber er kam aus einer Nebenlinie. Das heiÃt, die haben eine ganze Zeit lang in einem Palais in Kopenhagen unter wirklich sehr einfachen Umständen gelebt, oft im Winter nicht genug Holz zum Heizen und haben sich ihre Kleider wirklich selber genäht. Das führte auch dazu, dass Alexandra genau wusste, wie das mit Schnitten so ist, weil sie in ihrer Jugend mit ihrer Schwester Dagmar, späteren Zarin, Die haben sich wirklich im Partnerlook selber Kleider genäht und Gegen- und Schnittmuster
Jörg: Mh-mh.
Catrin: gemacht. Das heiÃt, die wusste ganz genau, wie das funktioniert, wenn sie später zu einer Schneiderin ging als Prinzessin von Wales oder Königin. Und die haben sehr eng miteinander gelebt, die Eltern und die Geschwister, und hatten nicht viel Personal. Und die haben im Grunde fast wie eine bürgerliche Familie, wie man das heutzutage kennt, miteinander Umgang gepflegt. Die waren sich sehr zugeneigt, haben auch ein Leben lang sich immer ganz viel besucht und haben sich vermisst, sich auch ganz viele Briefe geschrieben. Die waren sehr eng miteinander und auch... informell und fröhlich, also anders als man es jetzt von unseren anderen Protagonisten so kannte. Aber auch sie war nicht ganz gesund, so wie ihr Schwiegervater, den sie nie kennengelernt hat. Zum Teil bedingt durch ihre Schwangerschaften, aber sie hatte auch so ein paar Erbanlagen. Also sie wurde leider mit zunehmendem Alter schwerhörig, was natürlich eine groÃe Einschränkung war. Zum Teil soll es auch mit ihren Geburten, Schwangerschaften und Geburten zusammengehangen haben, weil sie dann auch leider häufiger rheumatisches Fieber bekam. Da neigte sie zu. Und dann nach einer Schwangerschaft stellte sich dann ein Problem mit einem Knie und dann lahmte sie für den Rest ihres Lebens, hatte also einen asymmetrischen Gang. Sie hat dann versucht, das mit einer bestimmten Art zu gehen, zu kaschieren und auch ihre Kleider so bisschen asymmetrisch schneidern zu lassen, ganz geschickt, sodass es nicht so auffiel. Aber es wurde natürlich in der feinen Gesellschaft Londons bemerkt und sie war eine derartige Modeikone schon zu dem Zeitpunkt so beliebt und ein solches Vorbild für die Damen der Gesellschaft. dass viele Damen der Gesellschaft dann tatsächlich ihren leicht hinkenden Gang nachgeahmt haben, den sogenannten Alexandra-Limp. Und das war wie... Ja, vielleicht
Jörg: Das sieht irgendwie wie Tanz an.
Catrin: war es das auch. Also das war so eine wirklich so eine Modeerscheinung, dass man das dann nachahmte, nicht nur ihre wirklich schönen Kleider kopierte, sondern auch die Art, wie sie sich bewegte.
Jörg: Kannst du dir vorstellen, was damit gemeint ist, das aussah? Wie muss ich mir das vorstellen?
Catrin: Einfach ein bisschen ein Bein hinterher schleppen. So wird es beschrieben in zeitgenössischen Berichten Nein, das gibt keine Video auch noch.
Jörg: Ja, gibt's natürlich keine Videoaufnahmen dazu. So ein Ãrger. Aber hört sich schön an. Alexandra Limp finde ich toll. Das ist schick. Das ist wie Swing ist toll. Genau.
Catrin: Ja, ein bisschen. Sie war einfach auch ein warmherziger, netter Mensch. Sie auch ein totaler Familienmensch. Fast kindlich verspielt mit ihren eigenen Kindern. Sie war wirklich eine Hands-on-Mutter. Anders als Victoria war die auch mit kleinen Kindern gern zusammen und hat
Jörg: Ja.
Catrin: viel beigetragen, hat die Kinder selber gebadet, auch die Kleinstkinder sich gescharrt, jeden Abend zu einer Zeit, also zwischen dem Nachmittag und bevor sie sich dann fürs Abendessen umziehen musste in ihrem Boudoir. Aber sie konnte da wieder wie Schwiegermutter Victoria, wenn man sie kränkte und wenn irgendwas nicht passte, dann konnte sie auch wirklich stur und nachtragend sein. Und auch sie war auf ihre Art manipulativ, auch ihren Kindern gegenüber. Sie hat sehr lange bis ins Erwachsenenalter hinein ihre Kinder versucht, an sich zu binden, zu beeinflussen, auch wenn die schon verheiratet waren. Und hat bei einer ihrer Töchter, nämlich Victoria, genannt Thoria auch komplett verhindert, dass die heiratete. Sie wollte sie als ewige Gesellschafterin ihrer Seite haben und das hat sie tatsächlich auch geschafft. Sie blieb bis zum Lebensende unverheiratet.
Jörg: Ja, und da finde ich, ist so, jetzt kann man schon wieder sagen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, jetzt aufwachen, noch mal den Stift rausholen. Jetzt könnte man denken, man hört Victorien und Viktoria und mit Manipulativ und Kinder binden und so. Ja, hier ist die Stelle, wo wir trennen wieder,
Catrin: Hmm.
Jörg: weil so viele Victorias unterwegs sind. Also Alexandras Tochter Viktoria, die wurde von ihr sozusagen so bisschen gebunden und manipuliert. Und das hat ja Queen Viktoria auch mit ihr Beatrice gemacht.
Catrin: Mit ihrer Jüngsten, genau.
Jörg: Mit ihrer Jüngsten? Also da sind die sich schon sehr ähnlich. Waren die sich eigentlich sympathisch, Alexandra und Victoria?
Catrin: Ja, doch, die haben sich recht schnell aneinander gewöhnt, auch weil Alexandra sich sehr Viktoria bemüht hat. Sie hat wohl bisschen gespürt, die alte Queen, die alte Witwe, so alt war sie damals noch nicht, aber wie die Witwe behandelt werden will, dass ihr Zuneigung fehlt. Sie ist also tatsächlich direkt nach der Verlobung erst mal für ein paar Wochen zu ihrer späteren Schwiegermutter gefahren, hat sie besucht und sie haben sich dann in Ruhe kennengelernt, haben die Nachmittage miteinander verbracht. Sie hat ja auch ordentlich geschmeichelt, hat ihr vorgelesen. hat ganz viel nach dem verstorbenen Albert gefragt und dann hat sie damit dann das Herz von Viktoria gewonnen. Und so haben sie sich dann ganz gut aneinander angenähert. Und es wurde dann später ja auch umso wichtiger, als Viktoria sich so sehr lange zurückgezogen hat, musste ja Alexandra auch viele Jahre als Prinzessin von Wales im Grunde Aufgaben übernehmen, die ihrer Schwiegermutter sonst
Jörg: Mmh.
Catrin: zugestanden hätten oder die von ihr hätten ausgeführt werden müssen. Die waren, also Victoria war sehr darauf angewiesen, dass Alexandra dann das alles gemacht hat, die Aufgaben der Queen vorzeitig übernommen hat, weil sie sich ja zurückziehen wollte und eben nicht in der Ãffentlichkeit stehen wollte.
Jörg: Das heiÃt, dieses Vakuum, diese 15 Jahre Vakuum, das ist jetzt die Kurve, wir noch mal kriegen wollten,
Catrin: Mmh.
Jörg: das war nicht so, dass jetzt niemand da war. Es war schon
Catrin: Inni.
Jörg: jemand da. Ich habe letztens dazu gehört, als es den Tod von König Harald ging, war ein Kommentar da und so, ja, irgendwie nehme ich den eigentlich schon die ganze Zeit so, als denjenigen war. Haakon waren immer da irgendwie. Das ist jetzt nicht so ungewöhnlich für einen. Und da ist es dann wahrscheinlich auch so, das war schon so selbstverständlich, dass dann eben Bertie und Alexandra da waren. Also es war kein Vakuum, das da entstanden ist.
Catrin: Ja, die waren ja auch sehr ... überhaupt nicht. Die waren ja auch jung und waren auch bisschen vergnügungssüchtig. Die sind in der
Jörg: Mhm.
Catrin: ersten Zeit ihrer Ehe wirklich auch so irre viel ausgegangen. haben zum Teil drei oder vier Abendveranstaltungen an einem Abend besucht. Erst irgendwo quasi so eine Art Aperetif dann noch ins Theater, in die Oper, danach dann noch zu einem Bankett und danach vielleicht Mitternacht noch zu einem Ball. Die hat sich pro Abend zum Teil dreimal umgezogen in irgendwelche anderen Ballroomen wieder. Die hatten ein anstrengendes Leben gehabt. nächsten Morgen musste es wieder zu einem Gottesdienst. Dann wurde im Park ausgefahren, dann Verwandte zu Besuch. Es war ein sehr anstrengendes gesellschaftliches Leben, was sie dadurch gezogen haben.
Jörg: herrlich, dreimal am Tag umziehen.
Catrin: Ja, ja, ja.
Jörg: Kleider spazieren finde ich gut. Genau.
Catrin: Hmhmhm.
Jörg: Im Ãbrigen an der Stelle passt es einfach so, das muss hier eingeflochten werden, weil natürlich darf mein Tea Room auch nicht zu kurz kommen. Ich letztens zu Besuch im Eaton Place Tea Room und durfte es endlich den Queen Alexandra Cocktail probieren. Wir
Catrin: Nein, auf keinen Fall. Und durfte etwas probieren, etwas ganz GroÃartiges. Genau.
Jörg: hatten letztens versprochen und wie fandest du ihn?
Catrin: Er hat mir ausgezeichnet geschmeckt. Er hat natürlich ganz ordentlich Alkohol auch, aber er ist so richtig, man fühlt sich ins etwadianische England zurück versetzt und ich fühlte mich dann als hätte ich irgendwie so eine schöne Robe an und vielleicht eine kleine Tiara auf und dürfte dann abends irgendwie diesen herrlichen Cocktail genieÃen. Also das kann ich sehr, sehr empfehlen. Es ist eine tolle Kreation.
Jörg: Und ich hatte mal das Glück an dem frühen Abend auch mal mitgenieÃen zu dürfen, mal selbst bei mir zu sitzen und habe dich begleitet
Catrin: Na, das ist GUST!
Jörg: mit dem King Edward Cocktail. Somit waren wir wieder zusammen. Genau, und wir sind schön angeschickert. Danach weitergezogen. Es war ganz, ganz toll. Also wenn
Catrin: Ja, das war herz.
Jörg: die auf Cocktail steht, es bei uns im Eaton Place Tearoom in Hamburg auch. Genau.
Catrin: Genau.
Jörg: Jetzt kommen wir aber, wenn wir schon über Party machen und so weiter sprechen, jetzt kommen wir natürlich
Catrin: Mh.
Jörg: nicht die Affären des lieben Berties. Ich nenne ihn mal extra Bertie, damit wir, da haben wir mal so einen Spitznamen, der macht das vielleicht ein einfacher zu wissen. Aber gemeint ist natürlich der spätere Edward VII. Also Bertie, der hatte Affären, wie wir ja schon erfahren haben. Und Spitznamen hat er wohl auch schon gehabt.
Catrin: Ja, ja, wir erinnern uns dunkel, wer sich in Geschichte auskennt. Es gab ja ganz früh in der Geschichte Englands mal Edward the Confessor, Edward der Bekenner. Und da haben natürlich schlaue Köpfe dann den Thronfolger Bertie, der so gerne Frauen anhimmelte und auch noch ein bisschen mehr mit ihnen machte, auÃer sie anzuhimmeln. Den haben sie dann Edward the Caressor genannt. Nicht einen sehr schönen Spitzennamen, also etwa der Streichler. Etwa der Meisterstreichler sozusagen. Ja, und das tat er dann auch ganz, ganz ausgiebig mit einer ganzen, ziemlich eindrucksvollen Liste, sowohl von aristokratischen Damen aus seinem Umfeld, aber auch Schauspielerinnen, zum Beispiel Lily Langtree, die hatte ja auch einen gewissen Namen. Oder Sarah Bernard soll auch dabei gewesen sein, die französische Schauspielerin. Oder die Society Löwin Daisy Greville, also Daisy Warrick genannt, weil sie war die Gräfin von Warrick Und sogar mit Lady Randolph Churchill, der Mutter von Winston Churchill, soll er auch was gehabt haben. Ja.
Jörg: Hmm...
Catrin: Und jetzt wird es aber ganz aufregen. Jetzt kommt, ja,
Jörg: Ich der Name der Namen.
Catrin: jetzt kommt also der Ober profit Seine letzte und langjährigste und wahrscheinlich gröÃte Liebe unter den Mätressen war eine gewisse Alice Keppel auch eine verheiratete Dame und zufällig die UrgroÃmutter von Camilla, der heutige Queen und Gattin von Charles III. Das heiÃt, ihre UrgroÃmutter und Charles' Ur-UrgroÃvater hatten ein GrüÃgern.
Jörg: UrgroÃvater. Ja. Und das finden natürlich royale Historiker bis heute wundervoll. Die Geschichte kennen wir auch. Das soll ja Camilla auch dem lieben Charles zugeflüstert haben. Alice Keppel die war aber auch echt eine kluge, diskrete und witzige Frau und in der Gesellschaft auch sehr, sehr geschickt. Das passt auch zu ihm. Er war ja auch in
Catrin: Ja, die war so eine.
Jörg: der Gesellschaft total geschickt.
Catrin: Ja, die war tatsächlich etwas, was Alexandra, die Prinzessin von Wales und Gattin und später Königin so nicht war. Die war wirklich sehr intelligent und politisch begabt und auch so diplomatisch. Die hat so eine Art Salon auch geführt. bei
Jörg: Hmm.
Catrin: ihr und ihrem Mann, sie war ja verheiratet mit George Keppel und er wusste natürlich von der Affäre seiner Frau und hat das aber geduldet. Denn das gehörte so ein bisschen zu einem guten Ton. Also manche Ehemänner waren sogar ein bisschen stolz, wenn sie wussten, der Thronfolger, der künftige König. macht sich was aus meiner Frau. da gab es dann ja auch, also der hat auch mit reichlich mit Schmuck beschenkt, die Alice. Und es gab dann auch Gelder. Es wurde ein Trust Fond für die Kinder angelegt, für die beiden Töchter. Und da hat dann tatsächlich auch noch Camilla von profitiert von den Resten dieses Trustfonds, weil sie eben sehr gute Schulen besuchen konnte.
Jörg: ELE!
Catrin: Das hat sich durch die Familie so durchgezogen. Also insofern, Alice Keppel war nicht nur irgendwie ein Betthäaschen sondern das war eine wirklich wunderschöne Frau, auch wunderschön auf eine andere Art als Alexandra. Sie war auch wunderschön, exzellent gekleidet, eine super gute Gastgeberin und sie war, meine alle wussten von der Affäre, aber was genau dann passierte oder was ihr Bertie auch mal anvertraut hat, vielleicht auch von Regierungsgeschäften, aber sie sehr diskret, das hat sie nie rausgelassen. Also sie hat das schon sehr, sehr gut gemeistert und es gibt einen ganz, ganz interessanten Indikator dafür, wie wichtig sie im Leben des dann älteren Bertie etwa war. Sie war ja auch noch seine Mätresse, als er dann schon König war. Als er 1910 im Sterben lag, hat Alexandra seine Gattin tatsächlich Alice Keppel ans Sterbebett holen lassen. Das hatte Bertie aber auch schriftlich festgehalten, dass er das will für den Fall, dass er im Sterben liegt. Und hat dann zugelassen, dass die beiden sich voneinander verabschiedet haben. Und dann hat sie sie allerdings irgendwann auch relativ schnell wieder hinauskomplimentieren lassen. Aber sie durfte wenigstens einmal zu ihm, bevor er gestorben ist. Die hatten schon eine sehr
Jörg: Ja, das ist toll. Find ich cool.
Catrin: enge Verbindung und er hatte auch zu ihren Töchtern. Wirklich, das war wie so ein Ersatzvater, GroÃvater, die hatten wirklich zu ihm auch eine familiäre Beziehung.
Jörg: Und dass das geht, dass das geht, sich so lange durchgegeben, so sehr nachhaltig, finde ich toll.
Catrin: Ja, gut angelegt. Und jetzt können wir noch mal eine kleine Schleife fliegen. Der Finanzberater von Edward von Bertie war ja Sir Edwin Castle, ein deutscher Jude, und
Jörg: Ja.
Catrin: dessen Enkeltochter war Edwina Ashley, die dann wiederum Dickie Mountbatten geheiratet hat. Und Dickie und Edwina waren ja Onkel und Tante von Prinz Philip und haben ihn jahrelang ja auch immer bei sich beherbergt, bis er dann die junge Elisabeth...
Jörg: Ja, genau, da hat sich ja auch von Haushalt zu Haushalt gehangelt. Ging ja gar nicht an, oder?
Catrin: Genau, weil das ein derartig begabter Finanzberater war und eben auch die Gelder natürlich dann so für Alice Keppel und ihre Kinder angelegt hat. Also die Kinder waren nicht von Edward die waren schon von ihrem Ehemann, aber trotzdem, weil er sich für die auch mitverantwortlich fühlt, denn die die Keppels hatten selber nicht viel Geld, hat er einfach auch Geld anlegen lassen.
Jörg: Und Keppel hat ja ein schönes Motto für eine gute Mätresse rausgebracht. das fand ich sehr schön. Sie hat ja mal ausgesprochen, das Geheimnis einer guten Mätresse sei, erst knicksen und dann ins Bett springen. Genau, sehr schön.
Catrin: Ab ins Bett, genau.
Jörg: Herrlich. das Alexandra, das meinte ich auch mit Gleichmut und mit Grandezza und so. Die hat echt Haltung gehabt, dass sie dann wirklich das auch so akzeptiert hat. Ich glaube, war wirklich dann auch akzeptiert, dass sie sie nochmal da an Sterbebett Das finde ich schon eine groÃe Geste. Das schlieÃt es nochmal so ab, das hätten viele andere nicht gemacht und da war sie überhaupt nicht irgendwie kratzbürstig oder so. Hat wirklich GröÃe gezeigt
Catrin: Ja, so leicht ist es ihr nicht gefallen. Sie war aber sehr gut darin, Haltung zu zeigen. sie wusste auch, sie hat ihren Bertie wirklich sehr geliebt bis zum Schluss, trotz seiner ganzen Affären. Und sie wusste, es ist sein Wunsch, weil er das ja auch schriftlich festgehalten hatte. Und sie wäre nicht auf die Idee gekommen, diesen Wunsch nicht zu erfüllen, weil er war der König und er war ihr Mann, den sie liebte. Und es war sein Wunsch, also wurde dieser Wunsch erfüllt. hat die
Jörg: Zeit.
Catrin: Alice Keppel ja jetzt nicht stundenlang da am Bett sitzen lassen, aber zumindest angemessen. Der letzte Wunsch war ihr heilig
Jörg: Aber der letzte Wunsch wurde respektiert.
Catrin: und das hat sie Das hat sie durchgezogen und das war auch bei anderen Affären vorher so. Es beschreibt auch die Dynamik dieser Ehe ganz gut. Alexandra wusste von den Affären, obwohl Bertie schon auch so diskret war, ihr das nie direkt vor Augen zu führen. Das war dann immer auf irgendwelchen Landsitzen, wo sie da nicht mit dabei war oder so. Man muss ja auch sagen, es wurde für sie immer schwieriger, sich in Gesellschaft zu bewegen, je älter sie wurde. Sie war ja schon mit 40 fast komplett taub. Und da war sie natürlich auch mit Menschen, die sie nicht gut kannte, keine gute Gesellschafterin weil sie die nicht verstanden hat. Menschen, die sie kannte, da konnte sie ein bisschen von den Lippen lesen in ihrer Familie oder engen Freunden. Aber jetzt auf alle Partys mitzugehen, auf alle Land- und Jagdausflüge, wo ihr Mann, der war ja auch so ein Fanatiker, der ständig was zu tun haben wollte von einer Einladung zur nächsten, das konnte sie gar nicht leisten, aufgrund ihrer Behinderung auch. Und sie hat sich dann auf ihre Kinder fixiert, ein bisschen zu sehr vielleicht, und hat das versucht zu ignorieren, so gut sie konnte. Das war dann halt so ihre Art, damit umzugehen. hat sich nie wirklich öffentlich beklagt, manchmal ihrer Schwiegermutter gegenüber, die dann hat, da haben sie beide ins Klagelied eingestimmt nach dem Motto Victoria so mein Bertie ist so gar nicht wie sein Vater wäre. Er auch mehr nach seinem Vater Albert gekommen. Und ja, was soll man sagen?
Jörg: Manche Historiker sagen ja auch, sie hat ihn so beschrieben als so unverbesserlichen, groÃen Jungen. Und hat so seine Eskapaden
Catrin: Ja, war er irgendwo raus.
Jörg: akzeptiert und man blieb diskret und öffentlich loyal.
Catrin: Ja, das war er wirklich. Also er hat nichts auf Alex kommen lassen. Es war auch nie bei beiden auf keinen Fall jemals auch nur ein kleinster Gedanke, dass man sich ja trennen oder sich scheiden lassen könnte. Das war überhaupt nicht, überhaupt nicht angedacht. Nee, Also er war ja auch, Entschuldigung, du wolltest noch was sagen?
Jörg: Ja, also es ist... Nee, nee, sorry, ich wollte überleiten, aber gerne, sorry, ich hab dich unterbrochen.
Catrin: Nee, ich wollte noch eine Kleinigkeit anfügen, nämlich die andere Seite von Bertie. Trotz seiner Affären, der Klassiker, ja klar Schatz, ich hab dich betrogen, aber das hat doch nichts damit zu tun, dass ich dich von Herzen liebe. Hat doch nichts mit dir zu tun. Er war einfach so jemand, der immer wieder dem Charme der Frauen verfiel. Er hat sie immer ein Leben lang Alex genannt, war ihr gegenüber charmant und aufmerksam, nur halt eben nicht treu. Das war das einzige, was er nicht bieten konnte und ihre beiden Residenzen, Marlborough House in London. auch an der Mall gelegen, sehr schön. Und Sandringham in Norfolk was ja übrigens extra für die beiden nach ihrer Eheschlüsselung erworben worden war, privat von Victoria und Albert. Das war der Landsitz zum 21. Geburtstag für Bertie, als schon klar war, dass er auch bald heiraten würde. Das waren lange Zeit, während dieser 15 Jahre Witwenschaft von Victoria, wo sie sich so arg zurückgezogen hatte, waren das Herz und Seele der Monarchie, der eigentliche Royal Court, der Königshof in GroÃbritannien.
Jörg: Sandringham wird uns ja nachher auch bei George V. noch begegnen. Sandringham hat Bertie auch wirklich gemocht. Das hat er gut ausgebrochen.
Catrin: Ja, da war er sehr gern. hat er ja seine Jagdpartien. Das ist ja auch so eine Gegend, wo man wunderbar so Gänse und alles Mögliche in Fasane schieÃen kann. Bis heute gibt es ja... Nöööö
Jörg: Ja und gar nicht so ein royaler Palast, sondern eher wie ein groÃes Anwesenheit. Genau.
Catrin: groÃes Landgut. Ja, roter Backstein, ein bisschen Pseudotudor. da finden ja heute noch Shooting-Partys statt, vor allem auch Boxing Day Shoot, ganz berühmt, wo die königliche Familie dann auch immer Gäste einlädt am zweiten Weihnachtsfeiertag. Das ist auch gemütlich.
Jörg: Und diesen Affären da hatte ich dich gerade unterbrochen, das wollte ich einflächen, mit diesen Affären und der Moral. Du hast es eben schon gesagt, der eine oder andere Gatte war auch ganz begeistert, dass seine Frau so gut ankam.
Catrin: Genau
Jörg: Das kommt immer drauf an, wie man draufguckt. Und wenn ich dann zum Beispiel Sir Randolph Churchill, ich bin ein groÃer Churchill-Fan, der
Catrin: Mhm.
Jörg: Vater von Winston Churchill, Der war zum Beispiel überhaupt nicht pingelig. Das wird auch in der Biografie beschrieben. Seine Gattin hatte eben auch eine Affäre.
Catrin: Ja, nicht nur eine, mehrere.
Jörg: Die haben eine offene Beziehung. Mit der offenen Beziehung ist es immer so eine Sache. Männer durften meistens die offene Beziehung führen und die Damen mussten es ertragen. Bei denen war es aber zum Beispiel total offen. Die haben wirklich beide sich die Hörner abgestoÃen. Ja, Moral ist immer so eine Sache des Zeitgeistes.
Catrin: Ja, aber es hingen auch damit zusammen, dass sie eine geborene amerikanische Erbin war. Sie war Jenny Jerome und sie hat richtig Geld
Jörg: Genau.
Catrin: mitgebracht. Sonst hätten Lord Randolph Churchill, der war ja nur ein jüngerer Sohn, der hatte nicht viel Kohle. Er war auch
Jörg: Ne.
Catrin: von ihr und ihrem Geld ein bisschen abhängig. Und das hat sicherlich auch dazu geführt, dass er öfter mal den Mund gehalten hat, wo ein anderer jemand vielleicht was gesagt hätte.
Jörg: Hehehehe, ja.
Catrin: Und sie hatte auch so ein Temperament, die war auch nicht für ihn keines der Weise streng erzogen. Die hat einfach gesagt, was sie wollte und sich das dann genommen. Und da kam man wohl auch nicht gegen an so richtig.
Jörg: Also es hätte zum Skandal werden können, bei denen wurde das nichts, bei den Churchills, aber es gab einen Skandalprozess, wo unser Bertie leider als Zeuge aussagen musste. Auch nicht so schick.
Catrin: Tja, das erste Mal... Nee, gar nicht. Das war das erste Mal ever, dass ein britischer Thronfolger oder überhaupt ein britischer Royal vor Gericht aussagen musste. Also, haben wir es ja zuletzt gehabt, dass Harry dann in seinen verschiedenen Prozessen vor Gericht aussagte als Zeuge. Das erste Mal, dass jemand im Zeugenstand war, das war eben Bertie 1891. Das war natürlich ein furchtbarer Skandal. Da war Victoria auch empört. Das war der sogenannte Trenby Croft Skandal. Da ging es Wir haben ja immer nach dem Essen gespielt, so Bakara und alles Mögliche. Also Bertie ist bei einer Hausparty in Yorkshire zu Gast gewesen. Und damals war das noch illegal. haben Bakaras, haben sie damals gespielt. Und einer der Mitspieler, ein gewisser Sir William Gordon-Cumming, der wurde dann des Falschspielens bezichtigt, so Ass im Ãrmel und so. Und die Sache landete vor Gericht, weil das war die schlimmste Verunglimpfung, so richtig so ein Ehrenthema, wenn man jemanden bezichtigte, das geschummelt habe beim Spielen.
Jörg: Ja, beim Spielbetrügen, ja.
Catrin: Die betrügen das Schlimmste. Da hat man früher Duelle wegen ausgefochten und Bertie musste, weil er mit dabei gewesen war, als Zeuge aussagen und das war einfach übel. Erstens überhaupt und zweitens hieà das ja auch, er hatte mitgespielt und das Rückschluss der künftige König spielt heimlich illegale Kartenspiele auf seinen Wochenend-Partys.
Jörg: und nicht so raus.
Catrin: Also das war jetzt nicht so schick. Heute würde man sagen, Umfragewerte gehen nach unten, deshalb gab es sowas noch nicht. Das war nicht schön und später gab es dann leider noch mal einen Anlass, wo er auch vor Gericht aussagen musste, nämlich in einem Scheidungsprozess, wo er auch unter anderem bezichtigt wurde von einem gehörnten Ehemann, dass er auch da mit betrogen habe, weil er sehr freundschaftliche Briefe an die Dame geschrieben hatte, aber es konnte ihm da nichts nachgewiesen werden. Aber es war ein Skandal, trotz allem sondergleichen.
Jörg: Aber trotzdem, war so eine Zeit, Edwardianische Zeit, da war dieser Lebensstil, das war so ein kleiner Aufbruch. Und da hat er natürlich echt einen coolen
Catrin: Ja, das spürt
Jörg: Lebensstil reingebracht Das hat man auch mit ganz groÃem Interesse ja verfolgt, würde ich mal so sagen. Gutes Essen.
Catrin: Ja, war natürlich gutes Essen. Natürlich drang man was in die Zeitung. es war ja immer in Zusammenarbeit beim Deutschen Reich. Ab 1871 war ja auch Gründerzeit, wirtschaftlicher Aufbruch und so weiter, Reichsgründung in GroÃbritannien, Sprost, das Empire. Und auch die hatten richtig viel Geld dann in GroÃbritannien, weil viele ja da auch viel Geld verdienten, irgendwie in Indien oder sonst wo im Empire. Und die gehobene Gesellschaft lieà es sich gut gehen. Und Bertie lieà es sich eben auch gerne gut gehen. Er hatte ja auch irgendwann eine enorme Leibesfülle, hat immer gern gegessen. Aber er hat sich dann wirklich total zum Prototypen des Bonviant entwickelt. Er hat bis zu vier üppige Mahlzeiten am Tag gegessen, mit mehreren Gängen jeweils, viel Wein und Champagner, vor allem Champagner dazu getrunken. galt als super Champagnerkenner. Ach so, hier, kleine Anekdote zwischendurch. Manche Champagnerhäuser haben dann sogar irgendwie ihn gefragt, können Sie bitte unsere neue Champagnasorte probieren? Und er durfte dann sagen, schmeckt mir, schmeckt mir nicht. Und er war derjenige, gesagt hat, also erstens ordentlich kühlen bitte und weniger Zucker rein. Es darf nicht so süà sein.
Jörg: Also, also.
Catrin: Also er hat mir dazu beigetragen, dass es heute so etwas wie Brut Champagner gibt oder sogar Zero-Dosage-Champagner.
Jörg: ACH!
Catrin: Weil er viel in Frankreich war, weil man da so gut feiern konnte, vor allem in Paris, und da hat er sehr viel Champagner getrunken
Jörg: Ja.
Catrin: und immer gesagt, welcher ihn am besten schmeckte. Und diese berühmten Witwen, Cliquot und andere, ihn dann auch gefragt, ist denn Meister oder Königliche Hoheit, wie ist denn eure Meinung dazu und können wir da irgendwas machen, damit er euch noch besser schmeckt? Und dann hat er immer so bisschen so Consulting gemacht, Champagner-Consulting.
Jörg: Ich habe nachgedacht, wie man das ganze Zeug essen kann. Viermal.
Catrin: Ja, das frage ich mich auch.
Jörg: Das ist mir wirklich ein Rätsel. Wir haben ja nur Hauptspeise und Nachspeise. Das sind immer
Catrin: Hm.
Jörg: fünf, sechs, sieben Gängemenüs. Wahnsinn. Und er hat sich nicht zurückgehalten.
Catrin: Ãber!
Jörg: Was auch dazu führte, dass man ihm ein modisches, kleines, modisches Accessoire oder eine Besonderheit ... nachsagt, das wäre auch so auf ihn zurückzuführen. Weisste welche ich mein?
Catrin: Das Herr Corsett
Jörg: Ach das auch, ja stimmt, das Herren Corsett Nee, der Knopf an der Weste. Der
Catrin: Ach so, stimmt, das auch.
Jörg: Knopf an der Weste, da weià man jetzt nicht wie es kam, ob das nun wirklich vom Reiten oder so ist. Einfach, wenn ihr Weste tragen ist, natürlich blöd wenn es unten spannt und jetzt hat er ja so einen leichten Bauch gehabt, das freundlich auszudrücken.
Catrin: Freundlich,
Jörg: freundlich, genau. Und er hat dann unten einfach aufgemacht. Das wurde dann aber zu so einem modischen Statement wie ganz viele andere Dinge auch. Und was ich toll finde an Bertie, Bertie wird immer im Zusammenhang mit Victoria natürlich auch so als Gegenpart zu Victoria gesehen. Also sie wird missverstanden und so weiter und so fort. Und Bertie war echt wird ganz ganz häufig so als der absolute Unsympath Ich glaube, das war er nicht. Ich fand das mit diesem Film, mit Judi Dench, mit dem Munchi, der Munchi und ich heiÃe er, ich.
Catrin: Ja, der ist auch toll.
Jörg: Da hat man das zum Beispiel, finde ich, total übertrieben. Das war so... Ja.
Catrin: Er war halt eifersüchtig auf den Einfluss, dieser indische Kammerdiener, der Privatsekretär dann hatte, weil er eben so drunter litt, dass er selber nie in die Staatspapiere gucken durfte und so. Aber wenn man in normaler Stimmung erwischte, war er super charmant und reizend und also wirklich auch ein sehr, sehr guter Gesellschafter, mit dem man sich sehr gut unterhalten konnte.
Jörg: Ja, das glaube ich auch. Im Prinzip gibt es ja eine wunderbare Szene in dem Haus am Eaton Place. Da kommt ja unser Haus Das nun für alle Jüngeren, das kennt ihr nicht, aber da gibt es auch so einen schönen Sinn. Natürlich kommt Edward VII. mit Alice Keppel
Catrin: zu Essen
Jörg: zum Essen. Du kennst die Szene.
Catrin: Ja, selbstverständlich.
Jörg: Und ja, wo dann natürlich gleich gesagt wird, Edward sagt dann zu Alice, also bitte mich fernhalten von dem und dem, wenn es zu lange dauert.
Catrin: Hm.
Jörg: mich in ein Gespräch verwickeln, dann sind wir wieder bei Tischmanieren Genau.
Catrin: Da war sie Meisterin, ihnen fernzuhalten von Sachen, wo sie vorher schon wusste, das das
Jörg: Ja.
Catrin: ist und trinkt da nicht gern, mit dem will er bitte nicht sprechen, dafür mit dem umso mehr. Und das hat sie immer dann sehr gut hinter den Kulissen gemanagt, so ganz diskret und sehr geschickt.
Jörg: Richtig cool, ja. Genau. Und er hat aber modisch tatsächlich einiges wie so viele Princes, Princes of Wales hat er modisch einen. Wir haben es letztens schon gesagt, wir vermuten bei William wird das abreiÃen kurz. Ich hoffe, es kommt wieder.
Catrin: Ja, die Tradition.
Jörg: Genau. Also er hat zum Beispiel den Tuxedo, also das Dinner Jacket, was bei uns ja fälschlicherweise immer Smoking genannt wird, also die kurze Jacke, statt das Fracks
Catrin: Hm.
Jörg: eingeführt. Das ist auf ihn zurückzuführen. Das hat sich ein Amerikaner abgeguckt, den ... treffen durfte und diese Jacke hat er sich bei Henry Poole in der Saville Row schneidern lassen. Ãbersteigt mein Portemonnaie leider so ein bisschen, aber
Catrin: Ja.
Jörg: ganz toller Schneider natürlich. Der Hosenumschlag, den hat er auch letztendlich, den haben wir ihm zu verdanken. hat nämlich immer seine Hosen ein bisschen hochgekrempelt und zack ist der Hosenaufschlag und den kennen wir heute noch. Das Norfolk Jacket, ist dieses Jacket, ihr kennt, wenn man zum Jagen und SchieÃen geht, mit diesem Gürtel
Catrin: Hmhmhm.
Jörg: von ihm letztendlich salonfähig gemacht. Das hat er alles nicht erfunden, aber salonfähig gemacht. Und das, was wir auch immer fälschlicherweise als Glencheck im Ãbrigen bezeichnen, das ist nämlich der Prince of Wales Check Auch das hat er modisch nach vorne gebracht. Also so wie wir heute den englischen Landedelmann kennen, das was wir so klassischerweise darunter verstehen. Das ist ganz viel auf Bertie zurückzuführen. Also da hat er was Bleibendes hinterlassen.
Catrin: Ja, das war sein Ding. Er war genauso modeinteressiert wie seine Frau. verband die beiden auch. Sie war ja auch eine groÃe Modeikone und hat immer ganz genaue Anweisungen. Da gibt es heute auch noch Unterlagen aus den Inventarbüchern, wie auch Alexandra ihren Schneiderinnen und Schneidern oder auch Designern in Paris Anweisungen gegeben hat, genau wie sie ihre Kleider haben wollte. Da haben die beiden sich auch getroffen, dass sie beide eben sehr modisch interessiert waren.
Jörg: Ja, und dann gibt's natürlich irgendwann den Ãbergang. Er wird König, 1901, mit fast 60 Jahren. Und dann überraschte uns alle. Also, was heiÃt uns alle? Die damaligen Leute hat überrascht. Die Menschen.
Catrin: Ja, die damalige Zeit. Denn er war eben nicht nur der ewige Playboy, der dann irgendwie krachend versagt, sondern er hat sich relativ zackig, weil er war ja dann nur neun Jahre König, hat sich zu einem erstaunlich geschickten König und Diplomaten entwickelt, der auch international hochgeachtet war. Vielleicht wurde er sogar im Ausland dann noch mehr geachtet als im eigenen Land. Er reiste viel, pflegte persönliche Kontakte zu europäischen Königshäusern. Er war auch schon als junger Prinz, als Kind schon bei Napoleon III. und Kaiserin Eugenie. zu Besuch, da hatten ihn die Eltern mitgenommen und da gibt es auch eine sehr süÃe Anekdote, die ich noch kürzlich in einer Biografie gelesen habe. Kaiserin Eugenie war ja auch sehr, schön und trug also sehr gewagte Dekoltés, anders als Queen Victoria, die dann eher so bisschen züchtiger war. Und als der kleine
Jörg: Mmh.
Catrin: Bertie noch als relativ kleiner Junge mit seinen Eltern in Paris war, dann hat er sich sehr mit Eugenie angefreundet, die hat es auch ein bisschen Ei Dei Dei mit ihm gemacht. Und als sie dann wieder abreisen sollten, hat er dann zu Kaiserin gesagt, bei euch ist es so schön, ihr seid alle so nett zu mir. Dann hat sie sich runtergebeugt, konnte in ihre Decoltee gucken. Dann hat er gesagt, darf ich nicht lieber bei euch bleiben? Dann die Kaiserin gesagt, ich würde dich gern hier behalten, aber deine Mami und dein Papi würden dich vermissen. Und er hat gesagt, da gehe ich nicht von aus, ich hab noch viele Geschwister zu Hause, die vermissen mich nicht. Er wollte schon damals
Jörg: Sehr schön.
Catrin: echt gern in Paris bleiben, hat aber nicht geklappt.
Jörg: Nee, hat nicht geklappt. Aber er hat was ganz Tolles letztendlich mit, oder es wird ihm zugeschrieben, das hat natürlich nicht er gemacht, das haben natürlich die Politiker gemacht, aber man bringt es mit ihm in Verbindung, das ist die Entente Cordial, soll ich sagen. Also das ist etwas, was
Catrin: Richtig, das war eine ganz groÃe Leistung.
Jörg: man ihm zuschreibt, 1904.
Catrin: Da hat er so erfolgreich vermittelt zwischen seiner Regierung und den Diplomaten in Paris. Diese Annäherung zwischen den Staaten, da hat er wirklich einen groÃen Anteil dran gehabt. Und seine persönliche Beliebtheit, seine häufigen Reisen nach Paris, soll dabei wirklich eine Rolle gespielt haben.
Jörg: eine Sache ist da Bertie und Kaiser Wilhelm II. Die mochten sich ja oberflächlich schon, aber Kaiser Wilhelm war wirklich immer neidisch auf Bertie. Der hat immer so bisschen geguckt.
Catrin: Die waren ja Cousins, muss man dazu sagen. Cousins, ersten Grades.
Jörg: waren Cousins genau. Und Edward VII., Bertie, da hat sich immer galan und geschickt und diplomatisch in den royalen Kreisen. Es kam zu dieser Entente Cordial. Und da war es dann schon geschehen. Das hat natürlich Kaiser Wilhelm so ernst genommen, hat gesagt, der war es. Der hat die gemacht. Der Politiker hat aber ausgeblendet, in seiner Welt war das nämlich auch so. Der hat es ihm tatsächlich geneidet auch, dass der sich so wunderbar dort bewegen konnte. Und diese Eifersüchtleien da auch Konfliktpotenzial
Catrin: Hm.
Jörg: bieten, da kann ich euch eine Buchempfehlung geben. Das ist ein Buch von Catherine Clay, Buchempfehlung König Kaiser Zar Da wird dieses Dreierverhältnis von Bertie, Kaiser Wilhelm und dem Zaren sehr, sehr schön beschrieben. Und das erklärt auch so ein bisschen, wie es dann zum ersten Weltkrieg und er hatte schon einen groÃen Anteil. was diese Eifersüchteleien betraf. Aber
Catrin: Ja, nee, das war schon wichtig.
Jörg: kommen wir jetzt erstmal zur Krönung, bevor Kaiser Wilhelm richtig eifersüchtig werden konnte, musste ja nun erstmal unser Bertie König werden. Wann war das? In 1902 glaube ich.
Catrin: Ja, da war dann die Krönung und das wurde aber dann gleich auch dramatisch, denn die eigentlich für den Juni, den 26. Juni 1902 angesetzte Krönung konnte nicht stattfinden, die musste kurzfristig verschoben werden. Prunk und Pomp und Circumstanz und Gästen aus aller Welt. Denn zwei Tage vorher wurde bei Edward, hatte er schlimme Schmerzen entwickelt und es wurde eine Blinddarmentzündung festgestellt mit Bauchfellentzündung Das war ja richtig lebensgefährlich, ist heute manchmal sogar noch lebensgefährlich. Damals war es das definitiv. Und er konnte einfach nicht, er hatte so schlimme Schmerzen. Wie gesagt, man musste alles absagen. Er wurde notoperiert, unser Bertie, und am Tag danach, kaum aus der Narkose erwacht, saà er natürlich schon wieder im Bett und rauchte seine erste Zigarre. Also er war unverbesserlich. Selbst eine Notoperation konnte seinen Lebensstil nicht bremsen oder nachhaltig verändern. Aber sechs Wochen später war es dann so weit. Am 9. August 1902 wurde es dann ernst für ihn. Da hat er die Krone auf den Kopf bekommen und Alexandra an seiner Seite natürlich. Aber was ich ganz schön fand, dem abgesagten Krönungsfest gab es ja auch ein groÃes Bankett, was bestellt worden war. Und diese ganzen Delikatessen haben sie dann immer in den Armen im Londoner East End gespendet. Das war immer eine schöne Geste.
Jörg: Ja, und man kann sagen, historisch wird Edward VII. gern unterschätzt.
Catrin: Hm, du bist schon.
Jörg: War mit neun Jahren, sehr kurz. Und ja, der Fokus zu sehr vielleicht auch auf das Private und Ãbergangskönig, und das kommt uns ja auch sehr, bekannt vor, Ãbergangskönig.
Catrin: Hm.
Jörg: 60 Jahre lang wartet man als Kronprinz darauf, endlich die Krone offen. zu kriegen und dann ist es soweit und siehe da dann zum Schluss wachsen sie doch gut
Catrin: kommt doch noch was.
Jörg: in die Rolle wenn uns das nicht bekannt vorkommt oder genau
Catrin: Ja, irgendwie schon. Ich habe lange gedacht, dass Charles als König nur eine Art Ãbergangskönig werden würde. Aber auch selbst Charles hat jetzt durch seine besondere Rede damals in Washington, aber auch bei uns vor dem Bundestag, sehr viel erreicht und seinen Marker gesetzt. Und Bertie hat es eben auch mit einigen politischen Geschichten wieder Entente Cordiale Also ich finde auch, man muss da ein bisschen näher hinschauen. Und jetzt noch mal hier kurze Zusammenfassung. Bertie so als Monarch und als Mensch. Als Mensch war er auf jeden Fall, er hatte keinen leichten Start gehabt. Seine Eltern haben ihn nie so nehmen wollen, wie er war. das, was an ihm schön und gut war, nicht sehen wollen und haben immer nur gesehen, was er nicht hatte. Nämlich, er war eben kein preuÃisches Arbeitstier
Jörg: Mmh.
Catrin: und kein überintellektueller. Er war ein Mensch mit Lebensart. Er hätte eine Aufgabe gebraucht, die man eben nicht zugestanden hat lange Jahre. Und das du ja auch schon eben erzählt. Diese Lehre hat er dann eben mit Genuss, mit Charme ziemlich viel Chaos irgendwie auch erfüllt. Aber dann war er doch überraschend gut, ein König zu sein und er war auch für seine Kinder wirklich da. Auch persönlich hat er gerne Zeit mit seinen Kindern verbracht. hat sie geliebt, hat auch finanziell und emotional gut für sie gesorgt. Auch wenn man, ich habe es eben schon mal gesagt, Ãbergangskönig ist ja beinahe schon ein Schimpfwort. Neun Jahre war kurz, aber in der Zeit hat er doch einiges geregelt gekriegt. Und er ist für die britische Geschichte wichtiger, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Er modernisierte das Bild der Monarchie. noch mal jetzt fürs neue Anbrechen der 100 weg von Victorious jahrzehntelanger Zurückgezogenheit hin zu einem sichtbaren, wirklich gesellschaftlich sehr präsenten und auch international sichtbaren König und die nach ihm benannte Etwadianische Epoche steht auch für Aufbruch für Mode und Lebensstil und Weltoffenheit ein deutlicher Kontrast zum strengen victorianischen Zeitalter, für das seine Mutter stand.
Jörg: Und ich finde, man sieht auch an der Stelle, das ist das Schöne an der Monarchie, weil man so diese Entwicklung so sehen kann. So wie es uns jetzt mit Harald und Haakon gehen wird. Man läuft nicht weg. Präsident ist weg. Der stirbt, weg und über den redet man nicht mehr. Vielleicht gibt es noch mal Biografien. Aber man sieht nie so direkt, wie entwickelt sich das Ganze weiter. Denn die können nicht weglaufen und man sieht, was mit dem Erbe wird. Und das hat Bertie doch wunderbar gezeigt. Da hat er schon was draus gemacht. Das hat er gallant hingekriegt, finde die in eine moderne Zeit zu führen. Mit all diesen Dingen.
Catrin: Ja, und jetzt müssen wir nochmal die Kurve kurz schlagen zum Ende hin vom Thema Edward VII. Er hat ja nicht nur die Entente Cordiale mitverhandelt, sondern er hat auch andere wichtige Grundsteine für eine Bündnis, für Bündniskonstellationen vor
Jörg: Hmm.
Catrin: dem Ersten Weltkrieg in Europa gelegt. Er war ja mit den ganzen Monarchen eng verwandt. Er war der Schwager Friedrichs VIII. von Dänemark und Franz Alexandra II. von Russland, weil die beiden, also seine Frau und die Zarien waren ja Schwestern. Und jetzt kommen wir zu etwas, jetzt gerade wieder top aktuell ist durch die norwegische Monarchie. Eine seiner
Jörg: Hmm.
Catrin: Töchter Maud hat ja einen dänischen Prinzen geheiratet, die dann später zum König von Norwegen gewählt wurde, nämlich Haakon VII. Und nachdem ist
Jörg: Hmm...
Catrin: jetzt auch der jetzige, ganz neue König Haakon VIII. benannt, weil das eine so prägende Monarchengestalt in Norwegen war. Und deswegen gibt es da auch diesen ganz engen Kontakt. In Oslo gibt es auch eine kleine Kirche, wo ganz viele Altargegenstände stehen, die von Edward und Alexandra gestiftet wurden, weil ihre Tochter
Jörg: Ja.
Catrin: immer zum Gottesdienst ging. Also es gibt da eben diese ganz enge Verbindung zwischen GroÃbritannien und Norwegen, die aus dieser Zeit stammt über die Tochter von Bertie und Alexandra. Ja, und ich finde menschlich zeigt seine Geschichte auch etwas Tröstliches. Man kann 60 Jahre lang der ewige Kronprinz sein, der angeblich ewige Nichts nutzt, von der eigenen Mutter für den Tod des Vaters verantwortlich gemacht werden.
Jörg: Ja.
Catrin: Und wenn dann über die Zeit kommt, dann kann man trotzdem wie Phoenix aus der Asche steigen und gut in die Rolle reinwachsen, die einem all die Jahre wert blieb, die einem vielleicht auch viele nicht zugetraut haben und wirklich noch was draus machen und dann auch als guter und wichtiger König in die Geschichte eingehen.
Jörg: Wunderbare Zusammenfassung. Das war jetzt Edward VII., Alexandra, Victoria, Albert. Und wir müssen jetzt zum dritten Teil kommen. Das heiÃt, wir freuen uns natürlich, dass wir zum dritten
Catrin: Ja.
Jörg: Teil kommen dürfen. In dem dritten Teil, da geht es dann George V. und Mary von Teck. Die beiden haben auch ein ganz wunderbares Duo gebildet. ja, dann kommt auch schon der Bruch, dann wird es schon wieder kompliziert. Man sieht es auch von so einem volantiles Gebilde. Es ist immer von so ruhig zu aufregend. George
Catrin: Ja, es wechselt immer.
Jörg: V. eher ruhig, was die Monarchie betrifft. Allerdings waren die Zeiten gar nicht ruhig. Bei Edward VII. VIII., der uns tatsächlich
Catrin: dem achten jetzt in dem Fall genau.
Jörg: begegnen wird in der nächsten Folge, da ist es Weder von der Monarchie ruhig, noch vom Drumherum.
Catrin: Privatleben her.
Jörg: Vom Privatleben nicht, aber auch politisch nicht. Eine Zeit, wo ganz viel im Umbruch ist. Genau, das machen wir in unserem dritten Teil. Wir freuen uns, dass Sie uns jetzt zugehört habt. Und hier an dieser Stelle nochmal unsere Werbung. Bitte macht unbedingt, schreibt uns unbedingt auf thronfolgenpodcast@gmail.com Wenn ihr eine Frage, eine Anregung, eine Korrektur habt, gar kein Problem. Wir freuen uns natürlich ganz besonders über eure 5-Sterne-Bewertung. Das hat einen technischen Hintergrund. Ich wiederhole es gern nochmal. Ihr könnt auch gerne zweimal bewerten. Ist gar kein Problem, weil wir ja mehrere Folgen haben. Je relevanter wir sind, desto mehr können wir euch bieten und wir wollen ja gerne, dass uns ganz ganz viele Leute entdecken und zuhören können. Wir machen auch schon ganz fleiÃig Werbung, macht es auch gerne, freuen wir uns drüber. Und die dritte Sache ist bei thronfolgenpodcast.de das ist unsere Internetseite, könnt ihr sogar Sprachnachrichten hinterlassen und wer dann direkt ein Teil unseres Podcasts Genau.
Catrin: Ja, liked, kommentiert und gebt uns gerne eben Hinweise, was ihr gerne mal hören möchtet. Ideen vor Sonderfolgen kommen ja ab und zu schon. Da freuen wir uns immer sehr drüber, wenn ihr spezielle Interessengebiete habt aus irgendeiner der Monarchien. Also wir nehmen das sehr gerne auf, wenn wir jetzt erstmal mit unserem riesen Projekt GroÃbritannien durch sind.
Jörg: Ja.
Catrin: Und wir freuen uns über jede Interaktion mit unserem Publikum und über Kommentare oder auch konstruktive Kritik. Also seid nicht zu schüchtern, meldet.
Jörg: Sehr schön. Wir freuen uns bis dahin. Wir hören bald wieder voneinander. Macht's gut. Und ich esse jetzt gleich ein Stück Kuchen und trinke einen Tee. Ich weià nicht, wie es bei dir ist.
Catrin: Also einen Tee trinke ich auf jeden Fall auch, Kuchen habe ich nicht zu Hause, muss ich mal gucken.
Jörg: Wie schade.
Catrin: finde ich noch paar Kekse. Auf jeden Fall auch von meiner Seite vielen Dank an unser Publikum und es hat wieder sehr viel Spaà gemacht mit dir, lieber Jörg. Und alles Liebe und bis zum nächsten.
Jörg: Bis dahin, macht's gut, tschüss.
Catrin: Tschüss!